«Der Fahrer wollte gerade eine Kassette wechseln.» Das sagen übereinstimmend überlebende Kinder in den Spitälern ihren Angehörigen und dem Pflegepersonal, wie gemeinsame Recherchen der az und der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws» ergeben.

Wie «Het Laatste Nieuws» heute berichtet, soll ein Begleiter der Reisegruppe unmittelbar vor dem Aufprall eine DVD oder eine CD (auf flämisch kann «Kassette» auch CD oder DVD bedeuten) zum Chauffeur des Unglück-Busses gebracht haben. Das berichten übereinstimmend auch die verletzten Kinder in den Walliser Spitälern.

Videoanimation des möglichen Unfallhergangs

Zuverlässige Quellen aus dem Oberwallis bestätigen gegenüber der az, dass die Kinder diese Version des Unfallhergangs ihren Eltern und dem Spitalpersonal geschildert haben.

Chauffeure: Eine plausible Erklärung

Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit beim Einlegen der CD könnte dazu geführt haben, dass der Reisecar die Bordsteine touchierte und der Chauffeur die Beherrschung über das Fahrzeug verlor. Chauffeure bestätigen, dass es sich dabei um eine plausible Erklärung handelt.

Der Mediensprecher der Kantonspolizei Wallis, Renato Kalbermatten, hört zum ersten Mal davon. Gegenüber der az sagt er: «Das ist für mich zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.»

Gemäss Kalbermatten wäre ein entsprechender Handgriff des Fahrers zum Abspielgerät auf den Überwachungsvideos des Tunnels auch nicht erkennbar.

Busunternehmen weist CD-Gerücht zurück

Kurz vor 18 Uhr nimmt Tom Cooremans, Chef des betroffenen Car-Unternehmens Top Tours, Stellung zum Gerücht: Dass der Chauffeur durch das Einlegen einer DVD abgelenkt worden sein soll, hält er für «unrealistisch».

Der Bus sei so konzipiert, dass die Passagiere den Fahrer gar nicht sehen würden, sagte er laut «Le Soir». «Es ist also unmöglich, dass ein Kind ihn mit einer DVD hantieren gesehen hat.» Der Fahrer sitze tiefer als die Passagiere hinter ihm. Ausserdem gibt Cooremans zu bedenken, dass bei zwei Fahrern im Bus wohl kaum derjenige am Steuer die DVD einlegen würde.