Mandat abgegeben
UBS hat sich mehr von «ihrem» Nationalrat Martin Landolt erhofft

Es ist das Ende eines missglückten Experiments: Martin Landolt gab letzte Woche sein UBS-Mandat ab. Die UBS-Spitze hatte sich mehr von der Anstellung des BDP-Präsidenten erhofft.

Doris Kleck
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BDP-Präsident Martin Landolt gab sein UBS-Mandat auf

BDP-Präsident Martin Landolt gab sein UBS-Mandat auf

Keystone

Das grosse Missverständnis begann in der Zeit, als die UBS ihr Politik-Lobbying in Bern ausbaute. Die grosse Too-big-to-Fail-Regulierung stand an und das Image der Grossbank war am Boden. Die UBS suchte 2010 per Stelleninserat «erfahrene und motivierte Persönlichkeiten», welche die Beziehung zur Politik pflegen. BDP-Nationalrat Martin Landolt entsprach zwar nicht dem gesuchten Profil, doch einen Parlamentarier in den eigenen Reihen zu haben, empfand man bei der UBS als sinnvoll. Schliesslich galt Steve Hottiger, Chef der Group Governmental Affairs und damit Cheflobbyist der Grossbank zwar als guter Jurist, doch als Mann ohne Kenntnisse des Politikbetriebs.

Noch heute ist Hottiger für die Parlamentarier ein Unbekannter. Also schuf die UBS für Landolt den Posten des politischen Beraters. Und Landolt selbst ist zufrieden mit dem Erreichten: «Wenn ich die politische Arbeit der UBS von heute mit derjenigen zu Beginn meiner Tätigkeit vergleiche, habe ich mein Ziel erreicht», sagt Landolt. Die politische Sichtweise fliesse vermehrt in Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ein. Zudem: «Das Image der UBS bei Politikern hat sich verbessert.»

Nun verlässt Landolt im Herbst die UBS, «absolut freiwillig» wie er sagt. Die Vereinbarkeit des UBS-Jobs mit dem Parteipräsidium der BDP sei zwar im engen Umfeld nicht angezweifelt worden, Aussenstehenden aber schwierig zu vermitteln gewesen. Bei der UBS bedauert man offiziell Landolts Entscheid, er habe hervorragende Arbeit geleistet, sagt UBS-Sprecher Samuel Brandner.

Aufatmen in der Chefetage

Dem Vernehmen nach ist man bei der UBS allerdings froh, dass das Experiment Landolt zu Ende ist - und dass der BDP-Präsident selbst die Notbremse gezogen hat. Der Politiker habe gemerkt, dass er mit seinen Positionen in der Grossbank auf Widerstand stosse. Von forcierter Freiwilligkeit sprechen deshalb gut informierte Kreise.

Die Unzufriedenheit der UBS-Spitze mit Landolt hat verschiedene Gründe. Der Politiker hat zwar stets betont, dass er nicht UBS-Lobbyist in Bern sei, sondern Bern-Lobbyist bei der UBS - dennoch hat sich die Bank mehr von «ihrem» Nationalrat erhofft: «Die UBS ist schliesslich keine staatsbürgerliche Organisation», sagt ein Kenner. Was die Themen des Finanzplatzes anbelangt, gilt Landolt als politisch irrelevant, das musste inzwischen auch sein Arbeitgeber zur Kenntnis nehmen. Dabei fehlte es der UBS bei der Anstellung Landolts nicht an Naivität. Sie liess sich alleine durch Landolts Nationalratsmandat leiten. Tatsächlich aber ist der Glarner Politiker kein Mitglied der Wirtschaftskommission. Und ohne das Wissen aus der Kommission ist es unmöglich, bei den komplexen Finanzdossiers ernst genommen zu werden. Ausserdem hat ihm das UBS-Mandat diesbezüglich jegliche Glaubwürdigkeit geraubt. Und so wurde Landolt in erster Linie als Port Parole von Bundesrätin und Parteikollegin Eveline Widmer-Schlumpf wahrgenommen.

Falsche Partei, falsche Chefin

Widmer-Schlumpf war Landolts zweites Problem: Für eine UBS-Tätigkeit hatte Landolt die falsche Chefin. Die Finanzministerin gilt bei der UBS-Spitze als unberechenbar und verschlossen. Ex-CEO Oswald Grübel fand trotz seines politischen Interesses nie einen Draht zur Bundesrätin. Landolt konnte diese Situation nicht verbessern. Stattdessen wurde ihm zum Verhängnis, dass er zweien Herren diente, die nicht zusammen klar kommen.

Schliesslich hat die UBS-Spitze ein Problem mit der BDP an sich, die als «Hilfsverein für Widmer-Schlumpf» wahrgenommen wird. Die UBS setzt ihre politischen Hoffnungen auf die SVP und Leute wie den Zürcher Banker Thomas Matter. Dieser hat zwar kein Mandat in der Bundespolitik inne, spielt aber schon jetzt eine wichtige Rolle innerhalb der SVP, was die Zukunft des Finanzplatzes betrifft.
Die UBS plant derzeit nicht, die Stelle von Politikberater Landolt wieder zu besetzen, sagt Sprecher Brandner. Ohnehin ist zu hören, dass sich in der Geschäftsleitung um CEO Sergio Ermotti das Interesse am politischen Geschehen in Bern in engen Grenzen hält.

Ist Martin Landolt eine Marionette von Evelyne Widmer-Schlumpf? Diskutieren Sie mit!

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