Wahljahrauftakt
Überraschung: Parteien gewinnen Mitglieder - nur die SP verliert

Von einer Ausnahme abgesehen haben alle Parteien in den letzten zehn Jahren an Mitgliedern zugelegt. Einzig die SP hat seit dem Wahljahr 1999 rund 8000 Mitglieder verloren.

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Keystone

Dies ist das überraschende Ergebnis einer Umfrage bei den Bundesratsparteien sowie den Grünen und Grünliberalen, welche die Zeitung «Der Sonntag» gemacht hat. Den Sozialdemokraten muss man allerdings zugute halten, dass sie ihren Mitgliederbestand seit Jahrzehnten zentral erfassen und deshalb die verlässlichsten Zahlen vorlegen können.

Erfreulich für die SP: Laut Sprecher Andreas Käsermann verzeichnete die Partei 2010 eine «leicht steigende Tendenz», was das Saldo von Ein- und Austritten angeht. Bei der FDP fällt ein Sonderfaktor ins Gewicht. Der Freisinn hat 2009 mit den Liberalen fusioniert und so auf einen Schlag gut 10 000 neue Mitglieder gewonnen. Auch 2010 konnte die FDP nach eigenen Angaben ein «tendenzielles Plus an Mitgliedern» verbuchen.

Zentrale Datenbank

Das Gros des Zuwachs, rund 20 000 Mitgliedern im Vergleich zu 1999, ist aber darauf zurückzuführen, dass die Partei 2010 erstmals alle Mitglieder in einer zentralen Datenbank erfasst und damit dem föderalistischen Datenchaos der Kantonalparteien ein Ende gesetzt hat. Das Gleiche bei der CVP: Der Sprung von 75 000 auf 100 000 Mitglieder ist vor allem damit zu erklären, dass bei der letzten offiziellen Erhebung durch Politologe Andreas Ladner im Jahr 1999 nur zahlende Personen gezählt wurden. In einigen Kantonen zählen die Sektionen aber auch Leute zu den Mitgliedern, die sich zwar zur CVP bekennen, aber keine Beiträge leisten.

Oder umgekehrt: Im Kanton Luzern zum Beispiel sind 10 000 zahlende Sympathisanten in der Adresskartei, die sich aktiver am Parteigeschehen beteiligen als Mitglieder in anderen Kantonen, wie Generalsekretär Tim Frey erklärt. Auch er freut sich 2010 über einen leichten Mitgliederzuwachs.

Die SVP bleibt mit 90 000 Mitgliedern nur drittgrösste Partei, obwohl sie an der Urne wählerstärkste Kraft ist. Allein um die Abstimmung zur Ausschaffungsinitiative hätten sich bei der Mutterpartei rund 1500 Neumitglieder gemeldet, sagt Generalsekretär Martin Baltisser. Deutlich zugelegt haben in den letzten zehn Jahren vor allem die Grünen, die heute 7500 Mitglieder zählen und allein im letzten Jahr 700 Neueintritte verzeichnen konnten. Gut gestartet ist auch die BDP, die heute auf 6500 Mitglieder kommt, während die Grünliberalen mit 2750 Mitgliedern noch eher über eine bescheidene Basis verfügen.