Grippe-Impfung
Über zehn Prozent der Impfdosen könnten fehlen

Der Engpass bei den Schweizer Grippe-Impfstoffen könnte sich zuspitzen, nachdem die Heilmittel-Zulassungsbehörde Swissmedic gestern einen Auslieferungsstopp über die Novartis-Grippeimpfstoffe Agrippal und Fluad angeordnet hat.

Lucien Fluri
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Betroffen sind maximal 160000 Impfdosen. (Symbolbild)

Betroffen sind maximal 160000 Impfdosen. (Symbolbild)

Keystone

Betroffen sind maximal 160000 Impfdosen. Der Auslieferungsstopp kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Erst am Dienstag hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusätzliche Grippeimpfungen bei den Herstellern angefordert, um den gegenwärtigen Engpass zu bewältigen. Die Gesundheitsbehörde möchte, dass in den nächsten Wochen über eine Million Impfdosen zur Verfügung stehen. Benötigt werden laut Schätzungen dieses Jahr 1,3 Mio. Impfdosen. Ohne die 160000 Novartis-Impfdosen würden in der Schweiz demnach mehr als 12 Prozent Impfdosen fehlen.

Der Grund für den aktuellen Engpass: Von den fünf Impfstoff-Produzenten konnten zwei nicht rechtzeitig liefern – darunter Novartis. Anfang letzter Woche kündigte der Basler Chemiekonzern an, die bestellten Dosen bis Anfang November zu liefern.

Knappheit bei früher Grippewelle

Noch nicht klar ist jetzt, welche Auswirkungen das Fehlen der 160000 Impfdosen hat, wenn die vorsorglichen Überprüfungen ergeben, dass sie tatsächlich nicht verwendet werden können. «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Prognosen machen», sagt BAG-Mediensprecherin Sabina Helfer. Das Bundesamt will im Laufe des heutigen Tages über mögliche Konsequenzen informieren. «Es kann auch sein, dass keine Chargen betroffen sind», sagt Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi.

Ob es tatsächlich zu einem Engpass käme, ist nicht zuletzt vom Zeitpunkt abhängig, zu dem die Grippewelle einsetzt. Aus gut informierten Quellen heisst es, dass das Fehlen der Impfdosen möglicherweise gar keine Auswirkungen hat, wenn die Grippewelle spät einsetzt. Dann bliebe genug Zeit, um Ersatz zu beschaffen. Setzt die Grippewelle allerdings früh ein, dann könnte es knapp werden. Erfahrungsgemäss tritt die Grippewelle zwischen Dezember und Februar auf. Grippe-Spezialisten des deutschen Robert-Koch-Instituts erklärten laut der «NZZ am Sonntag» jedoch, dass die Grippewelle bis auf wenige Ausnahmen im Januar starte.

Der ideale Zeitpunkt für Impfungen liegt vor Mitte November. Die Impfung sollte ein bis zwei Wochen vor dem Eintreffen der Grippewelle erfolgen, damit der Körper genügend Zeit hat, um Abwehrkräfte aufzubauen.