Reisekrankheit
Übelkeit in Neigezügen: Die SBB würde Umstellung Millionen kosten

Weder die Reisegeschwindigkeit noch der Neigungsgrad des Zuges sind verantwortlich für die Übelkeit in Neigezügen, sondern das System, das die Neigung berechnet. Eine Umstellung auf das geeignete System würde die SBB Millionen kosten.

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Weder das Tempo noch der Grad der Neigung sind für die Übelkeit in Neigezügenn verantwortlich

Weder das Tempo noch der Grad der Neigung sind für die Übelkeit in Neigezügenn verantwortlich

Keystone

Ein zehnköpfiges Team um den Neurologen Dominik Straumann vom Unispital Zürich fand heraus, dass es auf den Zeitpunkt der Neigung ankommt, ob es einem Passagier in einem Neigezug übel wird oder nicht. Es erwächst daraus implizit der Vorwurf, dass die SBB ein suboptimales System für ihre Neigezüge benutze, die ein Unwohlsein beim Reisen fördern würden.

Umstellung durchaus denkbar

Nun teilte die SBB mit, dass sie ihre 44 Intercity-Neigezüge vorerst nicht aktiv auf den prädikativen Neigemodus umstellen werde. Das entsprechende System koste mehrere Millionen Franken. Im Zusammenhang mit einer Generalrevision der Neigezüge sei die Umstellung aber durchaus denkbar. Doch bisher seien in dieser Angelegenheit noch keine Entscheide gefällt, wie die SBB mitteilt. Die erste Grossrevision starte 2012 und erstrecke sich über mehrere Jahre.

Zudem verwies sie darauf, dass sie zur Reisekrankheit nur wenige Kundenrückmeldungen erhalten würde, jährlich konzernweit etwa 40'000 Reaktionen, wovon nur wenige die Reisekrankheiten in IC-Zügen betreffen würden.

Das Problem ist die Zeitverzögerung

Strauman zeigte in der Wissenschaftszeitschrift "The FASEB Journal" auf, wie die Problematik der Übelkeit in der Praxis gelöst werden kann. Ob die Neigung dann erfolgt, wenn der Zug sich auch wirklich in der Kurve befindet, hängt davon ab, welches Kontrollsystem im Zug eingesetzt ist. Weltweit verkehren die meisten Neigezüge mit dem so genannten konventionellen Neigemodus. Dabei misst ein Gerät in der Lokomotive die Zentrifugalkraft und berechnet die notwendige Neigung, wofür ein Signal von Wagen zu Wagen geleitet wird. Das Problem dabei: Die vorderen Wagen neigen sich zeitverzögernd, weshalb es den Passagieren übel werden kann.

Neu Technik ist aufwendiger

Verkehrt ein Zug hingegen mit dem so genannten prädikativen Neigemodus, weiss der Computer in der Lokomotive, wann sich welcher Wagen wo in der Kurve befindet und löst die Neigung zeitgleich aus, weshalb die Pasagiere wohl fühlen. In der neuen Generation von Neigezügen sind die technischen Möglichkeiten für den prädikativen Modus vorhanden. Vor der Anwendung des Systems müssten die Zugstrecken aber ausgemessen und die Daten in den Bordcomputern abgelegt werden. (dme)

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