Alter
Ü50-«Arena»: Mit 49 werden alle entlassen? Nicht mit Pardini!

Wer mit 50 entlassen wird, hat es schwer. Darüber waren sich alle einig in der Alters-«Arena». Die Arbeitgeber- und Wirtschaftsfraktion sagt jedoch, dass es sich dabei nur um bedauerliche Einzelfälle handelt. Unia-Präsident Corrado Pardini widerspricht dem vehement.

Leo Helfensberger, Watson
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SP-Nationalrat Corrado Pardini in der Sendung Arena.

SP-Nationalrat Corrado Pardini in der Sendung Arena.

screenshot/srf

Arbeitslosigkeit ab 50 ist für viele ein Loch, aus dem sie nicht mehr herausfinden. Noch nie seien so viele Rückmeldungen eingegangen wie zu diesem Sendungsthema. Die vielen Betroffenen, die im Publikum sitzen, laden die Stimmung in der Sendung zusätzlich auf. Unia-Präsident und SP-Nationalrat Corrado Pardini nutzt diese Energie und heizt weiter an. FDP-Präsidentin Petra Gössi versucht mit Statistiken zu beruhigen und erreicht das Gegenteil.

Diese Einzelfälle seien bedauerlich und die Betroffenheit gross. Doch: «Die Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmenden ist unterdurchschnittlich», sagt Gössi. Das stösst Pardini sauer auf. Diese Statistik sei falsch, weil viele Stellensuchende darin nicht auftauchen. So zum Beispiel Ausgesteuerte. «Man kann versuchen, das Problem unter den Tisch zu wischen, aber das sind Zahlen, die beängstigend sind», fährt Pardini Gössi an. Die Arbeitslosenstatistik soll an diesem Abend noch für viel Diskussion sorgen.

Regula Rytz, Präsidentin der Grünen, ist der gleichen Meinung. Ausserdem seien Personen über 50 im Schnitt länger arbeitslos. Dies betreffe auch besonders viele Frauen, die von der Mutterschaftspause zurück ins Arbeitsleben wollten.

Schliesslich kommt Valentin Vogt Gössi zu Hilfe. Der Verbandspräsident der Arbeitgeber will für allgemeine Beruhigung sorgen. Man solle das Thema nicht unnötig emotional aufkochen. Er gibt aber zu, dass die Arbeitnehmer in der Pflicht stehen, dieses Problem zu adressieren.

Nun schaltet sich HSG-Wirtschaftsprofessor Franz Jäger aus der Expertenecke ein. Die Zahlen seien nun mal wie sie sind, daran könne er als Wissenschaftler nichts ändern. Die Gefahr, als Junger arbeitslos zu sein, ist nun mal höher, als wenn man schon älter ist.

Das stachelt Pardini erneut an. Die Betroffenen erwarten von der Politik Lösungen, die Gegenseite wolle aber nichts unternehmen. Gössi versucht, Pardini zu bremsen, scheitert aber. Der Gewerkschaftler redet sich weiter in Rage und verlangt einen Kündigungsschutz. So viel zur allgemeinen Beruhigung.

Gössi sieht in einem Kündigungsschutz aber die Zerstörung des liberalen Marktes. Dieser Schutz würde die Unternehmen praktisch zwingen, alle mit 49 zu entlassen und mit Praktikumsstellen abzuspeisen. Auch Professor Jäger ist gegen einen Kündigungsschutz. Als Verfechter der freien Marktwirtschaft bezeichnet er diesen Vorschlag als absolut blauäugig.

Rytz verteidigt Pardinis Vorschlag des Kündigungsschutzes. Natürlich gelte der nicht uneingeschränkt und für alle gleich. Er sei branchenspezifisch auszuarbeiten. Pardini beschwert sich, dass Arbeitgeber und Wirtschaft nicht an solchen Gesprächen interessiert seien. Sie hätten nur gute Worte für die Betroffenen, diese könne man aber nicht essen.

Danach melden sich zwei Gäste aus dem Publikum und beide zweifeln erneut die Zahlen der Arbeitslosenstatistik an. Eine genaue Statistik müsse auf den Tisch, sonst werde die Politik nicht sensibilisiert, sagt Thomas Suri, der zeitweise ausgesteuert war, weil er keinen Job mehr fand.

Daraufhin bricht die Diskussion über falsche Zahlen und Statistiklücken erneut aus. Moderator Jonas Projer hat langsam genug von der Statistik und versucht, die Diskussion in eine neue Richtung zu lenken.

Also versucht es Gewerkschaftler Pardini mit einem neuen Vorschlag: Weiterbildungen. Er fordert, die Arbeitgeber sollten die Arbeitnehmer für Ausbildungen sensibilisieren und diese auch ermöglichen. Vogt sagt, das sei heute bereits der Normalfall.

Pardini und Rytz wollen aber mehr. Sie fordern Spezialprogramme, die von Bund und Arbeitgebern getragen werden, um die Arbeitnehmer gegen die Folgen der Digitalisierung zu schützen. Als Beispiel führen sie an, dass die grossen Detailhändler bereits jetzt Lösungen entwickeln sollen für die Stellen der Verkäuferinnen, die durch die Self-Check-Outs in Zukunft wegfallen.

Vogt will aber weiterhin keine Einmischung des Staates. Es sei nicht Aufgabe des Bundes, den grossen Detailhändler in die Verwaltung zu pfuschen. Es sei aber Aufgabe des Bundes, Probleme vorauszusehen und diese zu beheben, kontert Rytz. Dieser Wandel müsse sich aber mental vollziehen und nicht durch staatliche Regulierungen, sagt Professor Jäger.

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