Tunnel
«Tunnel-Idee war ein Mittel zum Zweck»

Vor 30 Jahren zog Frédy Grimm als damaliger nebenamtlicher Welschenrohrer Wirtschaftsförderer alle Register.

Drucken
Teilen
Fredy Grimm

Fredy Grimm

Solothurner Zeitung

Würde es Welschenrohr heute besser gehen, wenn der Balmbergtunnel gebaut worden wäre?

Frédy Grimm: Nicht unbedingt. Der Tunnel hätte sicher Vor- und Nachteile gebracht. Das hintere Thal hätte sich vielleicht sogar früher entleert.

Woran krankt die Wirtschaft im Thal? An der fehlenden Direktverbindung ins Mittelland allein liegts offensichtlich nicht?

Grimm: Es liegt an der Grundeinstellung der Menschen hier: Man verkauft die landschaftliche Schönheit, die Ruhe und die Wohnqualität viel zu schlecht. Wir leben im Paradies hinter dem Berg - und liegen doch ganz nahe beim Mittelland.

Nicht nur mit dem Tunnel-Projekt trumpfte Welschenrohr vor 30 Jahren auf: Man warb mit Gratis-Industrieland auch um Firmen. Was hats gebracht?

Grimm: All dies hat die Aufmerksamkeit auf Welschenrohr gelenkt. Die Gemeinde wurde zum Begriff. Auch die Tunnel-Idee war letztlich ein Mittel zum Zweck. Und: Es kam tatsächlich zu mehreren Firmen-Ansiedlungen.

Mehrere dieser Betriebe sind aber wieder verschwunden. War die Gratis-Bauland-Aktion also für die Katz?

Grimm: Halt! Die zwei Firmen, die tatsächlich Gratis-Bauland erhalten haben, sind immer noch hier - und der Kindernährmittel-Produzent Bimbosan AG hat schon dreimal erweitert. Von den anderen Ansiedlungen hatten einige weniger Pfus. Hier hat leider auch die Gemeinde falsch agiert: In einer peripher gelegenen Region ist es zwingend, dass besonders Firmen, die aus anderen Ländern zugezogen sind, intensiv begleitet und betreut werden.

Wie vor 30 Jahren, darbt die Welschenrohrer Wirtschaft heute wieder. Was müsste die Gemeinde unternehmen?

Grimm: Behörden und Bevölkerung müssten für eine positive Aussenwirkung und ein gutes Image sorgen. Allen voran müssten die Behörden aktiver werden: Man muss sich bemühen, in den Medien präsent zu sein; man muss aktiv verbreiten, dass in Welschenrohr Firmengebäude sehr günstig zu haben sind. Nur wenn in diese leeren Hallen wieder neues Leben und Jobs einziehen, kann man auch wieder mit Neuzuzügern rechnen. (ums)

Aktuelle Nachrichten