Grippemittel

Trotz Zweifel: Bund hält an Tamiflu-Lager für zwei Millionen Kranke fest

Roche unterhält im Auftrag des Bundes ein Pflichtlager für Tamiflu. (Archiv)

Roche unterhält im Auftrag des Bundes ein Pflichtlager für Tamiflu. (Archiv)

Die Schweiz unterhält als einziges Land weltweit ein Pflichtlager des Grippemittels Tamiflu. Damit können bis zu zwei Millionen Menschen versorgt werden. Trotz jüngsten Zweifeln an der Wirksamkeit des Medikaments, ändert sich daran vorläufig nichts.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird die am Donnerstag geäusserten Zweifel an der Wirksamkeit des Roche-Grippemittels Tamiflu zusammen mit Experten genau prüfen. Gegenwärtig sieht es keinen Anlass, etwas an der Pflichtlagerhaltung für den Pandemiefall zu ändern.

Die neueste und dritte Studie des Forschernetzwerks Cochrane Collaboration sei erst am Donnerstag veröffentlicht worden. Da sei es noch zu früh, für Entscheide bezüglich der Pandemie-Massnahmen, sagte BAG-Mediensprecherin Mona Neidhart auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Sollten sich nach einer genauen Prüfung Änderungen bezüglich des Tamiflu-Pflichtlagers aufdrängen, würden diese auch vorgenommen.

Tamiflu für zwei Millionen Kranke

Damit bleibt es vorerst bei der Regelung in der aktuellsten Ausgabe des Grippe-Pandemieplans vom Oktober 2013. Gemäss diesen Vorgaben unterhält Roche ein Pflichtlager.

Dieses umfasst ausreichend Tamiflu, um damit bis zu zwei Millionen Kranke oder gut ein Viertel der Bevölkerung behandeln zu können. Hinzu kommt Tamiflu zur prophylaktischen Behandlung des Gesundheitspersonals. Dass bei einer Pandemie ein Viertel der Bevölkerung erkrankt, stellt das Worst-Case-Szenario dar.

Einziges Land mit Pflichtlager

Die Basler Pharmafirma Roche führt das Pflichtlager in Eigenregie. Der Bund muss dafür nichts bezahlen, denn Roche wird aus einem von der Branche alimentierten Fonds entschädigt. Die Schweiz ist das einzige Land mit einem Tamiflu-Pflichtlager.

Die vom Bund angeschaffte Notreserve an Grippemitteln allerdings verschwindet bis im Februar 2016 mit dem Ablauf der Haltbarkeit. Bei der Armeeapotheke sind über 40'000 Packungen Tamiflu und Relenza des britischen Konzerns GlaxoSmithKline deponiert. Sie sind sind nicht mehr nötig, weil das Pflichtlager sehr flexibel reagieren kann und die Versorgungssicherheit seit der Schaffung der Notreserve 2009 stark gestiegen ist.

Das BAG hatte im aktualisierten Pandemieplan in einer Reaktion auf eine Meta-Analyse des Cochrane-Netzwerks vom Januar 2012 festgehalten, die Studie lege keine grundlegend neuen Fakten vor.

Die Kritik beziehe sich nicht auf die Eigenschaft von Tamiflu, Schwere und Dauer der Grippe zu reduzieren. Da aber diese Eigenschaft den Nutzen von Tamiflu bei der Pandemiebewältigung ausmache, bleibe die Studie ohne Einfluss, hiess es damals.

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