Gesundheitsversorgung

Trotz steigendem Frauenanteil in Ärzteschaft noch wenige Chefärztinnen

Der Anteil der Ärztinnen steigt zwar, doch auf Stufe Chefarzt in Spitälern sind die Frauen schlecht vertreten. (Themenbild)

Der Anteil der Ärztinnen steigt zwar, doch auf Stufe Chefarzt in Spitälern sind die Frauen schlecht vertreten. (Themenbild)

Immer mehr Frauen im weissen Kittel: In der Schweizer Ärzteschaft steigt der Anteil der Frauen, bei den unter 45-jährigen sind sie bereits in der Mehrheit. Doch auf Stufe Chefarzt sind die Frauen schlecht vertreten.

Insgesamt arbeiteten in der Schweiz vergangenes Jahr 37'525 Ärztinnen und Ärzte, 625 mehr als im Vorjahr. Das entspricht in Vollzeit-Äquivalenten zu 55 Wochenstunden 33'164 Ärztinnen und Ärzte, wie die Ärzteverbindung FMH am Mittwoch mitteilte.

Frauen mit tieferen Pensen

Unter dem Strich sind Ärzte gegenüber Ärztinnen immer noch in der Mehrheit: Auf 21'543 Männer kommen 15'982 Frauen. Unter den Studierenden und auch den unter 45-Jährigen gab es indes mehr Frauen als Männer. Und weit mehr Männer als Frauen arbeiteten im Rentenalter noch: 2794 Ärzte taten dies, aber nur 682 Ärztinnen.

Auch in unteren Stufen in Spitälern sind die Frauen in der Mehrheit, wie ein Blick die Hierarchieleiter hinauf zeigt. Auf der Stufe Assistenzarzt lag der Frauenanteil bei 58,6 Prozent, auf Stufe Oberarzt bei 47,9 Prozent, auf der Stufe Leitender Arzt bei 24,5 Prozent und auf Stufe Chefarzt bei noch 12,4 Prozent

Frauen haben indes häufiger Arbeitspensen von 80 Prozent oder darunter als ihre männlichen Kollegen. Die weitaus meisten Mediziner arbeiten 90 oder 100 Prozent, wie die Erhebung zeigt. Im Mittel liegt das Arbeitspensum bei 88 Prozent oder 48 Wochenstunden.

Unterschiedliche Fachrichtungen

19'331 Ärztinnen und Ärzte arbeiteten 2018 im ambulanten Bereich und 17'609 Kolleginnen und Kollegen im stationären Sektor. Lediglich 2 Prozent arbeiteten beispielsweise in der Verwaltung, in der Pharmaindustrie oder bei Versicherungen.

Allgemeine Innere Medizin ist mit rund 22 Prozent das am häufigsten vertretene Fachgebiet. Danach folgen Psychiatrie und Psychotherapie (10,2 Prozent), Gynäkologie und Geburtshilfe (5,1 Prozent), Kinder- und Jugendmedizin (5,0 Prozent) und Anästhesiologie (4,1 Prozent).

Frauen wählen andere Fachrichtungen als Männer. Sie arbeiten am häufigsten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (64,7 Prozent), Gynäkologie und Geburtshilfe (62,9 Prozent) sowie in der Kinder- und Jugendmedizin (62,9 Prozent). Männer dagegen sind in den chirurgischen Fachgebieten in der Überzahl.

4,4 Ärzte auf 1000 Einwohner

Im Mittel kamen auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner 4,4 Ärztinnen und Ärzte. Das ist höher als der OECD-Durchschnitt von 3,6. In den Nachbarländern ist die Ärztedichte ähnlich hoch wie in der Schweiz: Deutschland kommt auf 4,2 Ärzte pro 1000 Einwohner, Österreich auf 5,1, Frankreich auf 3,2 und Italien auf 4,0.

Allerdings zeigt die Statistik auch, dass die Dichte an ambulant tätigen Spezialisten mit 1,26 insgesamt grösser ist als jene der Grundversorger mit 0,95 Ärzten und Ärztinnen pro 1000 Einwohner.

Mehr als die Hälfte der Grundversorger - nämlich 56 Prozent - arbeiteten 2018 in einer Doppel- oder Gruppenpraxis. Bei den Spezialistinnen und Spezialisten hingegen waren die Einzelpraxen mit 58 Prozent klar in der Mehrheit.

Ausländeranteil gewachsen

Der Ausländeranteil unter den Ärztinnen und Ärzten ist gestiegen, um 1,3 Prozentpunkte auf 35,4 Prozent. Im stationären Bereich ist der Ausländeranteil mit rund 40 Prozent höher als im ambulanten Bereich mit rund 31 Prozent. Wichtigstes Herkunftsland ist immer noch Deutschland, vor Italien, Frankreich und Österreich.

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