Trotz Krise zahlen Basler ihre Steuern

Die Wirtschaftskrise belastet auch viele private Budgets. Doch bei den Steuern sparen die meisten dennoch nicht. Die Krise hat die Zahlungsmoral nicht verschlechtert – im Gegenteil: Der Staat gilt als sicherer Geldhafen.

Daniel Ballmer

In diesen Tagen flattert bei vielen die Steuererklärung ins Haus. In der Krise eine ganz besondere Freude. Und doch. Die beiden Basel dürfen mit ihren Steuerzahlern zufrieden sein: In Basel-Stadt sind die Steuer-Akontozahlungen im Jahr 2009 kaum spärlicher geflossen. Vielmehr haben die Steuerpflichtigen ähnlich viel rechtzeitig einbezahlt wie im Vorjahr. «Wir hatten im Vorfeld auch nicht befürchtet, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtert», zeigt sich der Basler Steuerverwalter Stephan Stauber nicht überrascht. «Die Region Basel ist von der Finanzkrise nicht so stark betroffen wie andere Regionen der Schweiz.»

Anders im Baselbiet: Dort war durchaus befürchtet worden, dass sich wegen der Krise die Zahlungsmoral der Steuerpflichtigen verschlechtern könnte. «Die Befürchtungen haben sich bisher aber nicht bewahrheitet», sagt der Baselbieter Steuerverwalter Peter Nefzger. «Die Zahl der Betreibungen und der Anfragen für Zahlungsabkommen haben sich bis jetzt nicht wesentlich erhöht.» Allerdings habe sich der gesamte Zahlungsfluss im zweiten Semester 2009 deutlich verlangsamt. Für die Staatssteuer wurden im gesamten Jahr rund drei Prozent weniger einbezahlt, für den Bund dagegen sieben Prozent mehr. Dies gilt es allerdings zu relativieren: So hätten die kantonalen Steuerrevisionen mit ihren Entlastungen dazu geführt, dass für die Steuerjahre 2007 und 2008 oft zu hohe Vorausrechnungen versandt worden seien. Dies führe nun zu einem geringeren Zahlungsfluss.

Inkassoaufwand vermeiden

Kantone und Gemeinden sind sehr daran interessiert, dass die Steuern frühzeitig eingehen. Ein Hauptgrund ist das Cash-Management. Mit dem Geld kann gearbeitet werden. Hinzu kommt, dass ein allfällig folgender Inkassoaufwand vermieden werden kann. «Je früher die Steuerrechnung bezahlt wird, desto kleiner ist das Ausfallrisiko», erklärt Nefzger. Zudem könnten viele Steuerzahlende die Steuerrechnung nicht auf einmal berappen. Monatliche Ratenzahlungen bis zum Fälligkeitstermin liessen sich besser verkraften und aus dem laufenden Einkommen bezahlen. Ganz von alleine aber gehen nicht immer alle Steuerzahlungen ein. Damit der Zahlungsfluss nie abbricht, betreibt Basel-Stadt ein mehrstufiges «sehr ausgereiftes» Mahn- und Inkassosystem. Und auch die Baselbieter Steuerverwaltung ist in ihrer Debitorenbewirtschaftung «immer sehr konsequent, und es werden monatlich Mahnungs- und Betreibungsläufe durchgeführt».

Das Vorauszahlungssystem hat auch für die Steuerpflichtigen Vorteile: 2009 erhielten sie in Basel-Stadt einen Gutschriftzins von 2 Prozent – attraktiver als auf vielen Spar- und Lohnkonti. Und sie müssen den Zins nicht versteuern. «Der Gutschriftzins wird schon seit längerer Zeit bewusst attraktiver gestaltet als der normale Kontozins», erklärt Steuerverwalter Stauber. Frühzeitige Zahlungen sind so für die Bürger wie für die öffentliche Hand interessant. Die Vorauszahlung der Steuern wird heute zu den sichersten und bestverzinsten Anlagen gezählt.

Gutschriftzins sinkt

An der allgemeinen Zahlungsmoral soll sich auch dieses Jahr nichts ändern. Und dies, obwohl der Gutschriftzins in Basel von 2 auf 1,5 Prozent sinkt. Oder: «an das Zinsumfeld angepasst» wird, wie es Stauber formuliert. Im Kanton Baselland gibt es immerhin noch 0,6 Prozent. Der baselstädtische Steuerverwalter rechnet trotz der Senkung nicht mit namhaften Rückgängen: «Wir erwarten Akontozahlungen im ähnlichen Umfang wie in den Vorjahren.» Nur bei jenen, die sich ihrer Steuerpflicht ohnehin jedes Jahr zu entziehen versuchen, bei denen wird sich die Zahlungsmoral wohl auch weiterhin nur schwer verbessern lassen.

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