Kleiderordnung

Trotz Hitze: Schwitzende Ständeräte dürfen Veston nicht ausziehen

Trotz Hitze kein lockeres Tenü: Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer gestern beim Versuch, seine Krawatte zu binden. Keystone

Trotz Hitze kein lockeres Tenü: Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer gestern beim Versuch, seine Krawatte zu binden. Keystone

Während die Herren und Damen Nationalräte frei in ihrer Kleiderwahl sind, gelten im Ständerat rigorose Regeln – und die werden gnadenlos durchgesetzt. Sie müssen «schickliche Kleidung» anhaben.

34 Grad Celsius im Schatten, kaum Wind, die Sonne brennt und die Schweizer schwitzen. Auch die Politiker in Bundesbern sind davon betroffen. Dabei liegt das Kühle hier so nah. Von der Terrasse, die von der Wandelhalle abgeht, schaut man direkt auf das Gewimmel im Berner Aare-Bad Marzili. Hier sonnt sich die Jugend und erfrischt sich zwischendurch in der 16 Grad kühlen Aare.

Doch die Parlamentarier dürfen nicht klagen – zumindest die Nationalräte nicht. Ihr Saal ist erstens besser klimatisiert, wie eine rein subjektive Messung ergab. Zweitens gelten für Nationalräte keine Kleiderzwänge. Sie dürfen anziehen, was sie wollen. Anderes gilt für die Ständeräte. Sie haben «schickliche Kleidung» zu tragen, so steht es im Geschäftsreglement des Ständerats. Wie «schicklich» auszulegen ist, liegt im Ermessen des Ratspräsidenten und seinem Büro. Filippo Lombardi hält sich an die klassische Linie. Männer in Anzug und Krawatte, Frauen mit bedeckten Schultern.

Und wehe dem, der sich nicht daran hält! Gestern signalisierte Vizepräsident Hannes Germann drei Kollegen per Handzeichen: Jackett überziehen! Ohne Zögern folgten sie – jedoch nicht ohne Murren. Der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti musste für eine kurze Verschnaufpause gar in den Vorsaal flüchten und sich seines Jacketts entledigen. Es habe auch schon gnädigere Ratspräsidenten gegeben, die an Hitzetagen ein Auge zudrückten, sagt er. Jetzt laufe einem der Schweiss nur so runter. Eine Ausnahme gab es allerdings doch: Über die entblössten Schultern der Waadtländer Sozialdemokratin Géraldine Savary meckerte niemand.

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