Hochsee-Affäre
Trotz Betrugsvorwürfen: Pleite-Reeder sticht wieder in See

Ein Gruss an den Steuerzahler? Neue Firma des Pleite-Reeders heisst ausgerechnet Helvetia Shippping

Henry Habegger
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Helvetia Shipping AG ist keine neue Firma, neu ist nur der Name. (Symbolbild)

Helvetia Shipping AG ist keine neue Firma, neu ist nur der Name. (Symbolbild)

Keystone

Enzian hiess die Reederei, mit der Hans-Jürg Grunder seine zwölf mit Bundesbürgschaften ausgestatteten Schiffe managte. Bis ihm das Geld ausging und der Bund 215 Millionen Franken lockermachen musste, weil er für die Schiffe haftete. Jetzt ist die Enzian in Liquidation, und es ermitteln Bundesanwaltschaft und verschiedene Parlamentskommissionen. Betrugsvorwürfe stehen im Raum, ebenso wie ungetreue Amtsführung aufseiten eines für Bürgschaften verantwortlichen Beamten.

Als wäre nichts passiert, drängt Grunder zurück ins Geschäft. Der Name seiner Firma klingt dabei wie eine ironische Hommage an die Schweizer Steuerzahler, die den Schaden berappen: Helvetia Shipping AG heisst seit Oktober die Reederei, die domiziliert ist in Bäch im Kanton Schwyz. Zweck laut Handelsregister: «Besitz, Handel und Ein- und Auschartern von Hochseeschiffen, Betrieb einer Reederei».

Helvetia Shipping AG ist keine neue Firma, neu ist nur der Name. Sie war eine von Grunders ersten Firmen, wurde 1999 in Bern als Enzian Shipping AG gegründet. Seit November 2016 hiess sie TS Investor AG, benannt nach dem undurchsichtigen Esten Timo Sas, einem neuen Partner von Grunder.

Grunder und Sas sitzen nicht im Verwaltungsrat der Helvetia Shipping, sie schieden im Oktober bei der Namensänderung aus. Alleinverwaltungsrat ist seither der Jurist Pete Hirsch aus Bäch SZ, der gemäss diversen Quellen von Reederei keine Ahnung hat.

Ein Anruf dieser Tage im Hause Hirsch ergab wenig überraschend die Auskunft, dass die Helvetia Shipping nach wie vor Hans-Jürg Grunder gehört. Was will Grunder genau damit? Für weitere Auskünfte wurde an Grunder verwiesen. Dieser war allerdings nicht zu erreichen, ein versprochener Rückruf traf nie ein.

Pleite-Reeder sticht wieder in See. Mit welchen Schiffen? Grunder versuchte angeblich, einen «seiner» vier Tanker zurückzukaufen, die der Bund mit riesigen Verlusten an den Kanada-Libanesen Talal Hallak verkaufte. Sicher ist, dass man an Hallak herantrat, dass dieser aber Verkaufsverhandlungen ablehnte. Er wolle die zehn Schweizer Schiffe (vier Tanker und sechs Frachter), die er zum Dumpingpreis übernehmen konnte, weil der Bund möglichst schnell aussteigen wollte, nun selbst betreiben, verlautet aus Hallaks Umfeld. Er verdiene, so heisst es, schönes Geld mit den Schiffen.

Grunders Ziel sei, weiss ein Kenner der Branche, eine neue Tanker-Flotte aufzubauen. Der gebürtige Berner soll nun sogar damit beschäftigt sein, neue Tanker bauen zu lassen. Rätselhaft ist, woher der Pleite-Reeder das Geld hat, das er dafür benötigt. Zwar sagen Bekannte, dass Grunder immer irgendwelche Investoren finde. Beim Bund ist man aber auf der Hut, auch Parlamentskommissionen gehen der Frage nach: Hat der Reeder womöglich rechtzeitig Geld sicher geparkt, mit dem er nun neu starten kann? Fest steht: Grunder konnte immer auf fachmännischen Rat zählen. Seine Schiffsfirmen wurden einst von einem Berner Steueranwalt konstruiert. Eines der Grunder-Schiffe, das den Bund nun ebenfalls Millionen kostete, trug den Namen der Tochter des Anwalts.

Militärjustiz-Connection

Zurück zu Grunders Neustart mit Helvetia Shipping: Der jetzige Alleinverwaltungsrat der Reederei, Pete Hirsch, tauchte vor etwa zwei Jahren in verschiedenen Grunder-Firmen auf. Grunder hatte ihn, als die Probleme bei seiner Reederei auftraten, auf Druck des Bundes als «unabhängigen» Verwaltungsrat eingesetzt. Hirsch wollte seine Rolle gegenüber der «Nordwestschweiz» kürzlich nicht erläutern. Auffällig ist aber: Hirsch war wie Grunder-Freund Michael Eichmann bei der Militärjustiz im Einsatz. Beide sind Oberst. Eichmann war der Chefbeamte, der jahrzehntelang für Bürgschaftsvergaben beim Bund zuständig war. Ein Insider sagt, Hirsch wirke in den zu liquidierenden Grunder-Firmen wie der Strohmann von Eichmann, der sich seit Monaten selbst nicht mehr blicken lasse.

Ohnehin gibt es in der Flotten-Affäre neben einigen anderen Seilschaften auch eine Militärjustiz-Connection: Auch ein anderer Anwalt, der zuletzt im Auftrag von Grunder beispielsweise Parlamentarier kontaktierte, war Offizier und Richter bei der Militärjustiz.

Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

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