Arbeitsmarkt
Trotz bester Qualifikation: Migranten aus Drittstaaten sind oft arbeitslos

In der Schweiz sind Arbeitnehmende mit tertiärer Ausbildung stark nachgefragt. Ausser, sie stammen von ausserhalb des EU-Raums. Dann ist die Chance, arbeitslos zu sein, viel höher.

Karen Schärer
Drucken
Teilen
Auch gut qualifizierte Arbeitnehmer aus Drittstaaten haben höhere Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein.

Auch gut qualifizierte Arbeitnehmer aus Drittstaaten haben höhere Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein.

Keystone

Der 35-jährige Senegalese Thiam Naby hat bis vergangenen Sommer in seinem Heimatland als Projektmanager beim Telekommunikationskonzern Ericsson gearbeitet. Dann zog er zu seiner Schweizer Frau und dem gemeinsamen Kind in die Schweiz. Inzwischen arbeitet der Informatikingenieur in qualifizierter Position bei der Swisscom in Bern.

Dass Naby so rasch eine Arbeit gefunden hat, war keineswegs zu erwarten. Zwar hat sich der Trend zur Einwanderung von tertiär Ausgebildeten mit dem Inkrafttreten des Personenfreizügigkeitsabkommens im Sommer 2002 noch verstärkt. Doch von der steigenden Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland profitieren nicht alle: Ausländer aus Drittstaaten (Staaten ausserhalb der EU) haben es schwer.

Dies zeigt ein Blick in die Statistik: Im Jahr 2012 waren schweizweit gerade mal 2,8 Prozent der Bevölkerung mit tertiärer Ausbildung arbeitslos. Unter den hoch qualifizierten Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten hingegen lag die Erwerbslosenquote bei hohen 16 Prozent. «Längsschnittdaten zeigen, dass die Erwerbstätigkeit von tertiär ausgebildeten Personen aus Drittstaaten seit Einführung der Personenfreizügigkeit rückläufig ist», sagt Silvana Lindt von der Organisation Networking for Jobs in Zürich. Im Jahr 2002 lag die Quote der tertiär ausgebildeten Erwerbslosen aus den alten Herkunftsländern erst bei 12,9 Prozent, wie eine Detailauswertung des Bundesamts für Statistik ergeben hat. Für Lindt ist klar: «Durch die neue Einwanderung aus dem EU-Raum erschwert sich die Situation von tertiär ausgebildeten Zugewanderten aus den alten Einwanderungsländern wie Afrika und Lateinamerika.»

Der Liebe wegen in der Schweiz

So untypisch Thiam Nabys rasche Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt ist, so typisch ist der Grund, warum er sich entschieden hat, sich in der Schweiz niederzulassen. «Diese Personen kommen hierher, weil sie hier ihre Partnerin oder ihren Partner haben. Die meisten hatten in ihrem Herkunftsland eine gute Stelle», sagt Silvana Lindt und ergänzt: «Sie kommen nicht aus Karrieregründen. Doch der schwierige Einstieg im qualifizierten Arbeitsmarkt erschwert ihre Integration und finanzielle Situation.»

Die Organisation Networking for Jobs macht die gut ausgebildeten Migrantinnen und Migranten aus Drittstaaten fit für den Schweizer Arbeitsmarkt. Am Mentoring- und Assessment-Programm nehmen – wie Thiam Naby – vorwiegend 30- bis 40-Jährige teil. Viele leben schon mehrere Jahre in der Schweiz, haben aber bisher höchstens unqualifizierte Arbeit gefunden.

Diplom ist nicht gleich Diplom

Drittstaaten-Angehörige kennen den Schweizer Arbeitsmarkt zu wenig, haben kein berufliches Netzwerk und bringen ein Diplom mit, das der potenzielle Arbeitgeber häufig nicht einschätzen kann. «Bei den nicht reglementierten Berufen entscheidet der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin allein über die Anerkennung des ausländischen Abschlusses», sagt Christine Gehrig von der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS). Während die Schweiz mit Nachbarstaaten Abkommen abgeschlossen hat, die die Anerkennung von universitären Abschlüssen regeln, gibt es keine derartigen Abkommen mit Drittstaaten. Damit Arbeitgeber sich eine Vorstellung machen können, wie ein Abschluss von einer Universität in Panama, Russland oder eben Senegal einzuschätzen ist, erstellt eine Fachstelle bei der CRUS auf Anfrage eine Anerkennungs-Empfehlung bezüglich des ausländischen Diploms. Dabei werden Faktoren wie Zulassungsbedingungen und Studiendauer berücksichtigt. «Es braucht jedoch weitere Instrumente, um die Qualifikation dieser Personen richtig einzuschätzen», sagt Silvana Lindt.

Aktuelle Nachrichten