Die Schweiz ist manchmal wirklich ein Sonderfall. Staaten rundherum versinken in den Schulden, streichen Ausgaben und verkleinern dabei auch ihre Armeen. Unser Parlament macht das Gegenteil: Es stellt der Armee überraschend mehr Mittel zur Verfügung, als dies der Bundesrat will. Sie soll jährlich 5 statt 4,4 Milliarden Franken erhalten, 100 000 statt 80 000 Mann zählen und nun doch neue Kampfflugzeuge beschaffen.

Am Ende des Kalten Krieges zählte die Schweizer Armee über 600 000 Mann. Seither wurde gestrichen und gespart. Wir erleben nun eine Trendwende nach über 20 Jahren des Abbaus. Gut möglich, dass deren Ursache tiefer liegt als in einer «Pirouette vor der Wahl», wie die NZZ den Entscheid gestern bezeichnete.

Der arabische Frühling in Nordafrika, als Folge davon Flüchtlingsströme in unsere Nachbarländer, EU-Staaten vor dem Kollaps, Strassenschlachten, Jugendrevolten - niemand hatte mit den Ereignissen dieses verrückten Jahres 2011 gerechnet. Paradoxerweise musste Armeechef André Blattmann im März 2010 harsche Kritik einstecken, weil ein Übungsszenario publik wurde, das Unruhen in gewissen südeuropäischen Ländern vorsah - also etwa das, was jetzt eingetroffen ist.

Der Zeitgeist wendet sich zugunsten der Armee. Bei einer Befragung der ETH Zürich gaben kürzlich 79 Prozent an, dass sie eine Armee für notwendig halten. Und bei den 20- bis 30-Jährigen ist die Akzeptanz so hoch wie seit 1986 nicht mehr. Dazu kommt: Die Armee gewinnt praktisch alle Volksabstimmungen; kürzlich selbst jene über die militärisch nicht notwendige Aufbewahrung der Waffe zu Hause.

Angesichts dieser Akzeptanz hätte das Parlament die Budgetaufstockung für die Kampfflugzeuge ruhig direkt dem Volk vorlegen können - dann hätte, in die eine oder andere Richtung, Klarheit geherrscht. So hat die Armee vorerst eine Schlacht gewonnen, aber noch nicht den Krieg. Denn die Verteilkämpfe gehen nun erst los: Welcher Bereich streicht die 600 Millionen Franken, die die Armee zusätzlich erhalten soll? Die Bildung? Der Verkehr? Die Sozialwerke? Stehen die Politiker noch immer zu ihrem Entscheid, wenn sie woanders verzichten müssen?

Am Ende des Tages zählen ohnehin weniger die effektiven Kosten der Armee, sondern deren Leistungen; für Leerläufe ist jeder ausgegebene Franken einer zu viel. Bundesrat Ueli Maurer hat sich mit seinem Bonmot der «besten Armee der Welt» zwar in die Nesseln gesetzt. Doch ihm und Armeechef Blattmann ist zugute zu halten, dass sie innert zwei Jahren einen Grossteil des Chaos weggeräumt haben, das ihre Vorgänger hinterlassen haben.