Zehn Minuten. So lange dauerte das Gespräch zwischen dem damaligen Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann und US-Präsident Donald Trump vor gut einem Jahr. Nun also kommt der mächtigste Mann der Welt in die Schweiz. Seit die Sprecherin des Weissen Hauses am Dienstag verkündete, dass der US-Präsident ans Weltwirtschaftsforum nach Davos kommt, sind die Medien geradezu elektrisiert. Bundespräsident Alain Berset werde den US-Präsidenten treffen, jubeln die Kommentatoren. Welcome, Mr. Präsident. Alle hoffen darauf, dass auch auf sie etwas von Trumps Glamour abfärbt.

Die Kanäle laufen heiss

Doch wird Donald Trump Alain Berset überhaupt treffen? Und, wenn ja, geht die Begegnung über den Austausch von Nettigkeiten hinaus? Von offizieller Seite hält man sich bedeckt. «Die Kanäle zwischen den beiden Ländern laufen heiss», sagt Bundesratssprecher André Simonazzi. Der Bundesrat werde aber erst «nächste Woche» kommunizieren.

Die ehemalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey spricht von einer «einmaligen Chance» für den Bundesrat. Der US-Präsident werde die Schweiz sonst kaum je besuchen. Obschon Trumps Visite rein privater Natur sei (siehe Box), sei ein Treffen mit dem Bundespräsidenten realistisch. Das Protokoll verlange, dass der Gast dem Gastgeber einen Besuch abstatte, so die SP-Frau. Nur ist Trump eben Trump und als solcher nicht gerade bekannt dafür, dass er sich strikte ans Protokoll hält. Dennoch wäre SP-Aussenpolitiker Tim Guldimann «erstaunt», wenn Trump einer Begegnung aus dem Weg gehen würde: «Es kommt sehr wahrscheinlich zu keinem offiziellen Treffen, bei dem sich beide Seiten intensiv über inhaltliche Dossiers beugen werden», sagt er. «Doch allein der Austausch von Freundlichkeiten ist für uns nützlich.» Es reiche, wenn der Bundespräsident «die paar Minuten» mit Trump sprechen könne.

Anderer Meinung ist die Basler CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission, Elisabeth Schneider-Schneiter: «Vor allem in Wirtschaftsfragen pflegen wir wichtige Dossiers mit den USA», sagt sie. So betreffe der wirtschaftliche Protektionismus der Trump-Administration bei der WTO oder die US-Steuerreform die Schweiz sehr direkt. Statt Bundespräsident Alain Berset sollten Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und allenfalls Finanzminister Ueli Maurer im Zentrum des Besuchs stehen.» Als bisher einziger US-Präsident besuchte Bill Clinton im Jahr 2000 das WEF in Davos. Er wurde vom damaligen Bundespräsidenten Adolf Ogi empfangen. Gegenüber dem Online-Portal watson.ch gab Ogi seinem Nachfolger Ratschläge, wie er die Aufmerksamkeit des hohen Gasts erheischen kann: Entscheidend sei der richtige Gesprächseinstieg, genauso wie Mimik und Gestik, meint er. «Wenn sich das Gegenüber nach einer Minute langweile, habe man schon verloren.»

Derweil dürfte einmal mehr die Bundesstadt Bern den Preis für den hohen Besuch aus Übersee bezahlen: Bereits für morgen rufen die WEF-Gegner zu einer unbewilligten Demonstration gegen den Trump-Besuch auf. Gerechnet werde mit mehreren hundert Demonstranten. «Es müsse von einem hohen Gewaltpotenzial ausgegangen werden», so die Behörden.