Trauung
Heiraten während Corona: Für einen Kuss nach dem Ja-Wort darf die Maske kurz weg

Brautpaare müssen immer noch einen Mundschutz tragen. Denn eine zivile Trauung gilt als öffentliche Veranstaltung. Für einige ist das ein No-Go.

Nina Fargahi
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Die Maskenpflicht schreckt nicht alle Heiratswilligen ab.

Die Maskenpflicht schreckt nicht alle Heiratswilligen ab.

Keystone

«Ja, ich will!» Diesen Satz müssen Brautpaare in diesen Tagen wohl deutlicher und lauter aussprechen als sonst, denn sie müssen eine Maske tragen, die bekanntermassen die Stimme dämpft und die Mimik reduziert. Der Mund-Nasenschutz ist auf den Zivilstandsämtern hierzulande obligatorisch, auch wenn die Maskenpflicht inzwischen an vielen Orten gefallen ist.

Der Mundschutz muss während der ganzen Trauungszeremonie getragen werden. «Heutzutage ist das nichts mehr Aussergewöhnliches», sagt Vera Ries, Zivilstandsbeamtin in Aarau. Zwar stellt die kantonale Aufsichtsbehörde im Aargau den Ämtern frei, ob das Brautpaar und die Zivilstandsbeamtin oder der Zivilstandsbeamte Maske tragen müssen oder nicht. Bei den anderen Gästen gilt während der gesamten Trauung nach wie vor Sitz- und Maskenpflicht. «Wir haben in Aarau entschieden, dass alle anwesenden Personen im Raum eine Maske tragen sollen, also auch das Hochzeitspaar.» Alles andere wäre nicht konsequent, so Ries. Sie ergänzt:

«Für einen Kuss nach dem Ja-Wort darf die Maske kurz abgenommen werden und nach der Zeremonie, wenn die Leute unter sich sind, können sie ohne Maske Fotos machen und die Glückwünsche entgegennehmen.»

Die Ziviltrauung gilt als öffentliche Veranstaltung, daher ist das Covid-Zertifikat kein Ersatz für das Maskentragen. Diese Pflicht besteht nach wie vor, insbesondere, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können und öffentliche und private Personen zusammen in einem Raum sind.

«Die Maskenpflicht ist für einige Brautpaare kein Problem, für andere ist es ein absolutes No-Go», sagt die Berner Hochzeitsplanerin Stefanie Waber. Allgemein herrsche bei den Trauungswilligen viel Verständnis vor, heisst es bei diversen Standesämtern. «Es gibt ganz, ganz selten Personen, die vielleicht anfänglich ein wenig ‘rebellieren’ und nachher die Maske ohne Probleme anziehen», sagt Madlen Brunner, Leiterin des Zivilstandsamt der Stadt Luzern. Die Hochzeitsgesellschaften würden die generelle Maskenpflicht grundsätzlich sehr gut akzeptieren.

So haben die Einschränkungen zu keinem Rückgang bei den Trauungen geführt. Im Gegenteil, die Heiratswilligkeit scheint ungebrochen zu sein. «Der Sommer ist gut ausgebucht», sagt etwa Roman Müller, Leiter des Zivilstandsamts Innerschwyz. Bis in den September seien jeden Freitag Termine reserviert, aber auch an den anderen Wochentagen. Die Monate Mai bis September seien allgemein beliebte Monate zum Heiraten, so Müller. In der Innerschwyz wurden in diesem Jahr bis jetzt 187 Trauungen durchgeführt, bis Ende Jahr kommen noch etwa 100 Termine dazu. Somit werden es wahrscheinlich wieder ungefähr 300 Trauungen sein.

«Im letzten Jahr hatten wir gesamthaft genau 300 Hochzeiten, also sogar mehr als im Jahr 2019», sagt Müller. Ob die Pandemie die Paare vermehrt zusammenschweisst? Eine Erklärung dafür habe er nicht, so Müller. «Für uns ist es natürlich viel angenehmer, eine Trauung ohne Maske durchzuführen, gerade während den heissen Temperaturen.» Aber schlussendlich gewöhne man sich daran. Und: «Es geht ja allen gleich.»

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