Seit diesem April ist bekannt, dass der Zürcher Kinderarzt Beat Richner (70) alias «Beatocello» die Leitung seiner fünf Spitäler in Kambodscha aus Gesundheitsgründen abgeben wird und zur Pflege in die Schweiz zurückkehrt.

Doch erst jetzt wird klar, wie schlecht es Richner wirklich geht – und dass er nie wieder in seine geliebte zweite Heimat Kambodscha zurückkehren kann: «Er ist schwer erkrankt», schreibt die Stiftung Kantha Bopha in einer Stellungnahme. «Dr. Richner leidet an einer seltenen und unheilbaren Hirnerkrankung mit zunehmendem Funktions- und Gedächtnisverlust».

Das sei ein tragisches und vor allem trauriges Schicksal für diesen ausserordentlichen Menschen. «Ein kleiner Trost ist die Feststellung seiner Ärzte und seiner Familie, dass er selbst nicht leidet, keine Schmerzen hat und offenbar auch seinen Humor nicht verloren hat.» Beat Richner, Ehrendoktor der Universität Zürich und Schweizer des Jahres 2002, hat viel geleistet: In den letzten 25 Jahren realisierte er mit grosszügigen Spenden aus der Schweiz fünf Kinderspitäler – dies mit Maternité, Chirurgie, Hörsälen, 2300 Betten und 2400 kambodschanischen Mitarbeitern.

Seit 1992 wurden dort über 12 Millionen Kinder behandelt. Kein Wunder, gilt er bei den Kambodschanern als eine Art Heiliger. Eine Rückkehr Richners ist nun definitiv ausgeschlossen. Doch die Kantha-Bopha-Einrichtungen sind weiterhin in guten Händen. Der pensionierte Kinderarzt Peter Studer aus Reinach AG übernimmt nun fix die Leitung.

Beat Richner hinterlasse eine grosse Lücke, sagte Studer vor kurzem gegenüber Tele M1. Er habe die kambodschanische Regierung über den Gesundheitszustand informiert und auch mit dem Personal darüber gesprochen. «Die Betroffenheit ist sehr gross. Wenn man von Beat erzählt, fliessen fast überall die Tränen.»

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

(April 2017)

Es braucht Spendengelder

Beat Richner war stets das Gesicht der Stiftung, und daher wird sein Ausfall künftig wohl auch finanzielle Folgen haben. Doch laut Peter Studer sei sich die kambodschanische Regierung der Bedeutung der Spitäler im armen südostasiatischen Land bewusst. Seit 2016 unterstütze sie diese deshalb mit umgerechnet rund sechs Millionen Franken. Dank diesem Beitrag und den Spendengeldern ist die Finanzierung der Kinderspitäler zumindest für die kommenden zwei Jahre gesichert.

In einem offenen Brief in der «Schweizer Illustrierten», schreibt Peter Rothenbühler bewegende Zeilen an seinen Freund Beat Richner: «Du lebst zwar gut umsorgt in einem Heim, hast keine Beschwerden, rauchst wieder Deine Zigarillos, machst sogar Spässchen. Aber was Du in Kambodscha gemacht hast, weisst Du nicht mehr. Das ist tragisch. Dafür wissen wir es und werden es nie vergessen.»

Beat Richners wertvolle Arbeit in Kambodscha in Bildern: 

Rothenbühler war es, der die Vision des Schweizer Mediziners von Anfang an unterstützte. Er erinnert sich: «Weisst Du noch, wie Du uns 1991 angekündigt hast, Du werdest bald nach Kambodscha ziehen, um dort das Kinderspital Kantha Bopha wieder aufzubauen? Leider ohne Geld», so der Journalist. «Da kam meiner Frau die Idee, die «Schweizer Illustrierte» könnte für das Kinderspital sammeln. Und das klappte. Schon bald konntest Du mit einem Check nach Phnom Penh fliegen.»