Die Linke, links von SP und Grünen, nimmt einen neuen Anlauf für den Sprung auf die nationale Bühne. In den nächsten Wochen treffen sich Linksparteien aus verschiedenen Kantonen zu Gesprächen. Es geht um die Nationalratswahlen vom 20. Oktober. Die Linksalternativen träumen von einer eigenen Fraktion. Dazu braucht es fünf Sitze.

Die Hoffnungen liegen auf Genf und der Waadt. Dort gibt es wegen Bevölkerungszuwachses je einen zusätzlichen Sitz, was die Chancen für kleine Parteien erhöht. In beiden Kantonen gibt es mit der Partei der Arbeit (PdA) und der SolidaritéS linke Alternativen zur SP. Und dann ist da Zürich, wo der Alternative Richard Wolff Stadtrat ist. Von den kantonalen Wahlen am 24. März erhoffen sich die Zürcher Alternativen zusätzlichen Schub.

Cavalli erwägt Kandidatur

Auch im Tessin könnte es für einen Sitz für die Linksalternativen reichen. Dafür kämpft der ehemalige SP-Nationalrat Franco Cavalli. Der Linksabweichler und seine Mitstreiter sind daran, die zersplitterte Tessiner Linke im neu gegründeten Forum Alternativo zu koordinieren. Diskutiert wird über eine gemeinsame Liste von Kommunisten, PdA und Grünen. Die Liste soll mit der der Sozialdemokraten verbunden werden. Cavalli rechnet damit, dass die Linke so einen zusätzlichen Sitz macht. Damit dieser von einem Kandidaten links der SP besetzt werden kann, braucht es Kandidaten, die ziehen. Wie er auf Anfrage sagt, überlegt sich der bekannte Onkologe Cavalli im Alter von 76 Jahren selbst noch einmal anzutreten. Er müsse dies aber zunächst mit seiner Familie diskutieren. Cavalli hat sieben Kinder und neun Enkel. Zur Frage, warum er als SPler auf eine linksalternative Fraktion hinwirke, sagte er: «Es würde der SP guttun, wenn es links von ihr noch eine Fraktion gäbe.»

Sollte im Herbst ein Linksalternativer Tessiner die Wahl schaffen, würde er laut Cavalli der grünen Fraktion angehören. Es sei denn, dass dank dem Tessiner Kandidaten die Gründung einer Linksfraktion möglich würde. Dies wäre der Fall, wenn auch in den Kantonen Zürich, Waadt und Genf ein linksalternativer Sitzgewinn gelänge. Zudem müsste der einzige bisherige Kommunist im Parlament, der Neuenburger PdA-Abgeordnete Denis de la Reussille, die Wiederwahl schaffen. Zudem wird die Gruppe «Basels starke Alternative» umworben. Deren Nationalrätin Sibel Arslan ist Teil der Grünen-Fraktion. Zur Frage, ob sie, wenn es darauf ankäme, eine Linksfraktion ermöglichen würde, schwieg sie.