Am Donnerstagnachmittag standen die Bahnen im Skigebiet Crans-Montana aus Trauer um den an den Folgen des Lawinenunglücks vom Dienstag verstorbenen Pistenretter still. Immer mehr offenbart sich das ganze Ausmass der Tragik: Die Piste stand kurz vor der Schliessung, wie Recherchen nun zeigen.

„Wie bereits am Sonntag und am Montag hätte die Piste auch am Unglückstag um 14.45 Uhr geschlossen werden sollen. Diese Information gaben wir am Dienstag jedenfalls unseren Kundinnen und Kunden weiter, zum Beispiel wenn sie bei uns Skis mieteten“, sagt der Inhaber eines lokalen Sportgeschäfts dieser Zeitung.

Schweigeminute für Lawinenopfer von Crans-Montana

Schweigeminute für Lawinenopfer von Crans-Montana

Zwei Tage nach dem Lawinenunglück in Crans-Montana VS haben am Donnerstag um 14.23 Uhr im Skigebiet zahlreiche Menschen mit einer Schweigeminute des Opfers gedacht. Genau zu dieser Zeit hatte sich das Unglück ereignet, das einen Pistenpatrouilleur das Leben kostete.

Die Schliessung im Laufe des Nachmittags sei typisch für diese Jahreszeit, bestätigt Nicolas Masserey, Leiter der Skischule Crans-Montana, diese Information. Masserey weiss keine genaue Zeit, ist sich aber sicher: „Die Piste war noch offen, als die Lawine um 14.20 Uhr niederging. Geplant war das gleiche Vorgehen wie an den beiden Tagen zuvor, die Piste also am Nachmittag zu schliessen.“

Die Gondelbahn zur Bergstation La Plaine-Morte, von wo die von der Lawine getroffene schwarze Piste Kandahar als einzige talwärts führt, befördert kurz vor Pistenschliessung jeweils keine Schneesportler mehr. Im Frühling bei noch höheren Temperaturen werde die Piste häufig bereits um die Mittagszeit geschlossen, so Masserey.

Laut dem Skivermieter ist ausgeschlossen, dass Schneesportler die Lawine ausgelöst hätten. „Dort oben fährt niemand in den Hang. Jemand hätte ja den Gipfel besteigen müssen, doch das tat niemand“, sagt er.

Hier fliehen Skifahrer vor Lawine

Hier fliehen Skifahrer vor Lawine

Am Dienstag verschüttet in Crans-Montana (VS) eine Lawine mehrere Personen. Nun ist ein unbestätigtes Video des Vorfalls aufgetaucht.

Was also geschah am Dienstag? Allmählich setzen sich die Puzzleteile zusammen. Lawinenforscher vermuten eine sogenannte Gleitschneelawine. Ein Phänomen, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewann. In Medien zitierte Pistenchefs orten das Problem bei den zu hohen Temperaturen im Herbst und zu Winterbeginn. Der Schnee fällt auf den warmen Boden, die Wärme wird unter der Schneeschicht quasi isoliert. Der Hang beginnt zu rutschen, was sich gerade an sonnigen steilen Hängen in Form sogenannter Fischmäuler zeigt. Die Schneedecke wird immer weiter auseinandergerissen, bis der untere Teil plötzlich wegbricht.

Eine Untersuchung der Walliser Justiz ist im Gang. Der folgenschwere Entscheid der Sicherheitsverantwortlichen in Crans-Montana, die Piste bis zum Nachmittag geöffnet zu halten, wird dabei eine Rolle spielen. Auch die Frage, ob Schneesportler, zum Beispiel Freerider, die Lawine auslösten oder ob sich die Schneemassen spontan in Bewegung setzten.