Unwetter

Tragischer Fund in Dierikon LU: Mutter und Tochter (5) im Keller ertrunken

Aufgerissene Strassen, überflutete Unterführungen – nur schon in Luzern rückten am Sonntag 20 Feuerwehren aus. Eine 32-jährige Frau und ihre 5-jährige Tochter sind nach dem heftigen Unwetter in Dierikon LU im Untergeschoss ihres Hauses ertrunken.

Wie die Luzerner Polizei am Montag mitteilte, fand die Feuerwehr die beiden Toten während des Auspumpen des Kellergeschosses. Der Ehemann hatte am Sonntagabend Auto und Roller aus der Tiefgarage in Sicherheit gebracht. Dabei begaben sich die 32-jährige Mutter und ihre fünfjährige Tochter laut Polizeiangaben aus unbekannten Gründen ins Untergeschoss und wurden vom schnell eindringenden Wasser überrascht.

Glimpflicher ging das Hochwasser für eine 75-jährige Frau in Luzern aus. Ihr Auto war im Wasser stecken geblieben und musste von der Polizei evakuiert werden. Die Frau blieb unverletzt.

Heftige Gewitter haben am Sonntagabend und in der Nacht für hunderte Feuerwehreinsätze gesorgt. Besonders stark betroffen waren Bern, Zürich und die Zentralschweiz.

In Schlieren stand die Unterführung Goldschlägistrasse komplett unter Wassser. Ein Auto versank in den Wassermassen – ein Mann stieg aus dem Dachfenster, ein anderer rettete sich über ein Geländer. 

Im Kanton Solothurn erhielt die Polizei rund 50 Schadensmeldungen. In Obergösgen schlug ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein. Die Feuerwehr löschte das Feuer rasch. Personen wurden nicht verletzt.

Ein Blitzeinschlag in den Kamin einer Liegenschaft an der Grenchenstrasse in Solothurn verursachte ebenfalls Schäden. Zu einem Brand kam es bei diesem Vorfall nicht.

Das heftige Gewitter, begleitet von Starkregen, ging fast ausschliesslich über der Region zwischen Olten und Schönenwerd nieder. Die rund 50 Meldungen betrafen vorwiegend Wasserschäden, vereinzelt auch auf Strassen liegende Äste und Bäume, wie die Solothurner Kantonspolizei mitteilte.

20 Feuerwehren in Luzern im Einsatz

Im Kanton Luzern waren ab 20.40 Uhr rund 20 Feuerwehren im Einsatz, wie der Feuerwehrinspektor in der Nacht auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Nachdem es innert relativ kurzer Zeit intensiv geregnet hatte, wurden mehrere hundert grösstenteils Kleinschäden gemeldet.

Schwer betroffen waren indes das Gebiet Würzenbach in der Stadt Luzern sowie die Gemeinden Ebikon, Dierikon, Adligenswil und Udligenswil. In letzterer habe ein Bach einen neuen Lauf genommen und das Dorf verwüstet. Die Kantonsstrasse zwischen Udligenswil und Küssnacht war wegen Sturmschäden in beiden Richtungen gesperrt.

350 Mal mussten auch 31 Feuerwehrorganisationen im Kanton Zürich ausrücken. Ab 21.30 Uhr wurden zahlreiche überflutete Keller gemeldet, wie ein Sprecher von Schutz & Rettung mitteilte. Die Gewitterfront zog aus Richtung Süden über das Kantonsgebiet und sorgte insbesondere in den Bezirken Affoltern, Dietikon, Horgen und Zürich für Schäden.

89 Einsätze entfielen auf die Stadt Zürich. Um die zahlreichen Notrufe entgegennehmen und bearbeiten zu können, wurde das Personal in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung zeitweise auf bis zu 30 Personen aufgestockt.

Die SBB meldeten einen Erdrutsch zwischen Birmensdorf und Schlieren, der die Zuglinie verschüttete. Auf Online-Portalen waren zudem Bilder eines halb versunkenen Autos in Schlieren zu sehen.

Mattequartier in Gefahr

Die starken Regenfälle stellten auch die Feuerwehr in Bern auf die Probe. Die Zulg, die bei Thun in die Aare mündet, führte Hochwasser und viel Schwemmholz. Auch aus dem Thunersee floss Schwemmholz in die Aare, was im Berner Mattequartier zu einer bedrohlichen Situation führte.

Weil es nicht gelang, genügend verkeiltes Holz aus dem Fluss zu fischen, wurden schliesslich im Bereich Schwellenmätteli die mobilen Schwellenelemente entfernt. So entspannte sich kurz vor Mitternacht die Situation.

Zu einem Erdrutsch kam es zwischen Thun und Interlaken. Die Hauptstrasse ist dort bis am Montag 9.00 Uhr in beiden Richtungen gesperrt.

Der Wetterdienst Meteocentrale gab für Graubünden kurz nach Mitternacht eine Unwetterwarnung heraus. Das Gewitter sei kurz und intensiv gewesen, doch Schadensmeldungen seien keine eingegangen, hiess es bei der Bündner Kantonspolizei auf Anfrage.

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