Abstimmung

Tränen, Nervosität und Schaumwein: Die emotionalen Reaktionen auf das «No Billag»-Nein

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran weint vor Freude

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran weint vor Freude

Die zweite Hochrechnung zeigt klar: Die No-Billag-Initiative ist gescheitert. Jacqueline Badran kann ihre Tränen vor Freude nicht mehr zurückhalten.

Die Schweizer Stimmbürger haben über die «No Billag»-Initiative entschieden. Die SRG-Mitarbeiter gingen mit gemischten Gefühlen zur Arbeit, die Initianten hoben trotz allem bereits früh die Gläser und bei SP-Nationalrätin flossen die Tränen.

71,6 % – es ist ein klares Nein «No Billag»-Initiative. «Das hätte ich so nicht erwartet», sagt die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Badran in einem ersten Interview. Badran kämpfte für ein Nein zur Abschaffung der Billag-Gebühren – «lange war ich sicher, dass wir das verlieren».

Jetzt sei sie froh, dass die Stimmbürger gemerkt hätten, «was wir an unserem Radio und Fernsehen haben.» Ihre Freude zeigte sich in einem spontanen Ausbruch der Gefühle, Badran flossen die Freudentränen nur so übers Gesicht.

«No Billag»-Initiant Olivier Kessler feierte bereits am frühen Sonntagnachmittag die Mediendebatte in der Schweiz – mit einem Gläschen Schaumwein. «Ein grosser Erfolg» sei es, «die grösste medienpolitische Diskussion anregen zu können, der sich die Schweiz bislang immer verweigert hat.»

Champagner trotz Schlappe beim "No Billag"-Initiant

Olivier Kessler: «Ich möchte das Glas erheben auf euch»

Alles andere als in Feierlaune war am Sonntag Maximilian Reimann. Der SVP-Nationalrat ist selbst ehemaliger SRG-Mitarbeiter wetterte in einem Interview bei Tele M1: «Die SRG ist ein Staat im Staat, ein grosser Moloch und hat das ganze politische Spektrum in Bern hinter sich.» Das deutliche Nein sei deshalb keine Überraschung. «Die SRG ist zu gross, sie kann sich leisten, was sie will, und wird nicht kontrolliert.» Dieses «Pseudo-Vereinswesen» müsse jetzt durch Strukturreformen beseitigt worden, fordert er.

Gesalzene Worte von Ex-SRG-Mitarbeiter Reimann

Gesalzene Worte von Ex-SRG-Mitarbeiter Reimann

In den 70er-Jahren arbeitete SVP-Nationalrat Maximilian Reimann für Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft. Vehement fordert er Strukturreformen.

Gemischte Gefühle zum Arbeitsstart am Leutschenbach

Ein Ja zur «No Billag»-Initiative hätte alles über den Haufen geworfen und wohl viele Jobs der rund 6000 SRG-Mitarbeiter bedroht. Die Mitarbeiter gingen denn auch mit gemischten Gefühlen zur Arbeit am Abstimmungssonntag:

SRG-Mitarbeiter gehen mit gemischten Gefühlen an die Arbeit

SRG-Mitarbeiter gehen mit gemischten Gefühlen an die Arbeit

Trotz Nein-Prognosen zu „No Billag“ herrscht unter den SRG-Mitarbeitern eine spezielle Stimmung am Abstimmungsmorgen.

Früh zeichnete sich am Sonntag ein Nein zur «No Billag»-Initiative ab – und damit gab es wohl auch am Leutschenbach – vorsichtiges – Aufatmen. Denn die Debatte ist noch lange nicht zu Ende, wie diverse Stimmen verkündeten:

Peter Wanner: «Mehr Wettbewerb wäre wünschenswert»

Peter Wanner: «Mehr Wettbewerb wäre wünschenswert»

Nachdem das Volk die «No Billag»-Initiative abgeschmettert hat, geht die Diskussion weiter. AZ-Medien-Chef Peter Wanner kann sich gut vorstellen, dass neu Leistungsaufträge öffentlich ausgeschrieben werden.

Hans-Ulrich Bigler: «Eins ist klar: Die Diskussion hat gerade erst angefangen!»

Hans-Ulrich Bigler: «Eins ist klar: Die Diskussion hat gerade erst angefangen!»

Für FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler ist die heutige No-Billag-Abstimmung erst der Startschuss für künftige Folgedebatten über eine Redimensionierung der SRG.

Nein-Trend zu "No Billag": "Die Diskussion muss weitergeführt werden."

GLP-Grossrat Beat Flach: «Die Diskussion muss weitergeführt werden»

Von einem «Vertrauensbeweis» sprach dann auch SRG-Präsident Jean-Michel Cina. Dass die Debatte weiter gehen wird, erwartet auch er. «Die SRG gehört den Schweizern und dass sie sich kritisch mit den Leistungen auseinandersetzt, ist wichtig.» Cina verspricht eine Reform und den vertieften Dialog mit der Bevölkerung.

SRG-Verwaltungsratspräsident: «Wir nehmen die No-Billag-Diskussion ernst»

SRG-Verwaltungsratspräsident: «Wir nehmen die No-Billag-Diskussion ernst»

Welche Lehren die SRG aus der «No Billag»-Initiative zieht, führt Jean-Michel Cina aus.

Wie solche Reformen aussehen sollen, sagte SRG-Generaldirektor Gilles Marchand bereits am Sonntag sehr konkret:

Nach der Abstimmung über  «No Billag»: SRG kündigt Reformpaket an

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Der Generaldirektor der SRG, Gilles Marchand will die Effizienz steigern und sparen.

Mehr Reaktionen zum Abstimmungsresultat: 

Pfister: "Radikale Initiativen haben in der Schweiz selten Chance auf eine Mehrheit!"

Gerhard Pfister: «Radikale Initiativen haben in der Schweiz selten Chance auf eine Mehrheit»

CVP-Präsident Gerhard Pfister wurde für seine Meinung, die Initiative würde es schwer haben, stark kritisiert. Nun wurde seine Ansicht bestätigt.

Juch: «Wir werden weiterhin Druck aufbauen»

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Thomas Juch vom No-Billag-Komitee sieht ein Nein nicht unbedingt als Niederlage. Die entfachte Diskussion werde auch nach der Abstimmung weitergehen.

Aebischer: "Wir wollen keinen Trump, sondern eine starke Mediendemokratie in der Schweiz!"

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SP-Nationalrat Matthias Aebischer ist stolz auf die Mediendemokratie. Die Schweiz wolle keinen Donald Trump, der allen Medien sagt, sie seien «Fake News».

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SP-Nationalrat Matthias Aebischer freut sich über das klare Bekenntnis zur Medienvielfalt in der Schweiz, will aber eine zukunftssichere und finanziell gerechtfertigte SRG-Strategie.

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