Gemeinsames Sorgerecht
Tonnenweise Pflastersteine für Justizministerin Sommaruga

Jetzt machen Väter mobil: Mit einer Protestaktion wird gegen die Vertagung der Einführung des gemeinsamen Sorgerechts demonstriert. Sie haben der Justizministerin schon Hunderte von Steinen zukommen lassen.

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Väter wehren sich: Pflastersteine für Simonetta Sommaruga

Väter wehren sich: Pflastersteine für Simonetta Sommaruga

Keystone

Hunderte Pflastersteine werden Bundesrätin Simonetta Sommaruga in den Weg gelegt. Die Vereinigung für gemeinsame Elternschaft (GeCoBi) sieht ihr Anliegen des gemeinsamen Sorgerechts auf die lange Bank geschoben. Mitte Januar gab Sommaruga bekannt, dass die Einführung für mindestens ein Jahr zurückgestellt wird.

Anonymes Pflasterstein-Verschicken

«Wir wollen nicht, dass uns und unseren Kindern noch länger Steine in den Weg gelegt werden, beim Erhalt der gemeinsamen Beziehung, auch nach Trennung und Scheidung. Und darum senden wir die Steine die uns im Weg liegen postwendend zurück ins Bundeshaus», schreibt die Vereinigung auf ihrer Homepage. Auf der Website schickenstei.ch können Pflastersteine anonym oder öffentlich ins Bundeshaus geschickt werden.

«Da wir eine gewaltfreie, friedliche Gemeinschaft sind und Steine nicht wie früher werfen, schicken wir sie mit der Post ins Bundeshaus», steht auf der Homepage. Erst seit wenigen Tagen ist die Seite online und schon sind über drei Tonnen Pflastersteine zusammengekommen. Das entspricht 840 Steine (Stand 14. Februar, 11 Uhr).

Hinter der Aktion steht ein Aargauer. Oliver Huniker stammt aus dem Fricktal und ist selbst Scheidungsvater mit einschlägiger Erfahrung. «Die Justizministerin soll erfahren, wie es ist, wenn einem so viele Steine in den Weg gelegt werden», sagt Oliver Hunziker, Präsident der GeCoBi, der 13 Väterorganisationen angehören. Beigelegt werden den Paketen auch Kerzen, «damit ihr endlich ein Licht aufgeht».

Mahnwache auf dem Bundesplatz

Heute Abend wird der Protest noch einen Schritt weiter gehen. Ab 17 Uhr werden die Männer auf dem Bundesplatz eine Mahnwache abhalten. Bis Mitte April seien Männer und Frauen aufgeboten, die sich täglich zwischen 17 und 20 Uhr vor das Bundeshaus stellen.

Kommt es zu einer Scheidung, wird das Sorgerecht in der Schweiz entweder der Mutter oder dem Vater übertragen. In rund 80 Prozent der Fälle werden die Kinder alleine den Müttern zugesprochen. Das soll mit der aufgegleisten Vorlage für ein gemeinsames Sorgerecht ändern. Gemäss der Elternschaft-Vereiniung GeCoBi liege liegt eine beschlussfähige Teilrevision bereits vor.

Simonetta Sommaruga will die Einführung der Revision jedoch um mindestens ein Jahr verschieben. Die Unterhaltsfrage soll ebenfalls in den Entscheidungsprozess einzubezogen werden. «Wir stehen dieser Idee nicht grundsätzlich negativ gegenüber, aber wir möchten ins Gespräch einbezogen werden und nicht nochmals 40 Jahre auf die lange Bank geschoben werden», so die Vereinigung.

Das gemeinsame Sorgerecht kommt später

Trennt sich ein Ehepaar, sind die Leidtragenden die Kinder. Aber nicht nur die Kinder, sondern auch viele Väter fühlen sich ungerecht behandelt. In den meisten Fällen sind es sie, die ihre Rolle als Erzieher verlieren. In Zukunft soll daher der Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge gelten. Seit zwei Jahren arbeitet der Bundesrat an einem entsprechenden Gesetzesentwurf. Doch nun kündigte Justizministerin Simonetta Sommaruga an, dass sich die Umsetzung um ein weiteres Jahr verschieben wird. Der Entscheid des Bundesrates, mit der Gesetzesrevision zuzuwarten, sei nicht zu rechtfertigen, sagt Oliver Hunziker. Das Sorgerecht mit dem Unterhalt zu verbinden, sei ein Trick, um die Revision nochmals zu verzögern. (dno/cls)