Flüchtlings-Drama

Toni Brunner: «Wir brauchen Programm zur Abschreckung»

«TalkTäglich» zum Flüchtlingselend im Mittelmeer

«TalkTäglich» zum Flüchtlingselend im Mittelmeer

Der Grüne Nationalrat Daniel Vischer (Mitte) diskutiert mit SVP-Präsident Toni Brunner (links) über die europäische Flüchtlingspolitik. Durchs Gespräch lenkte Moderator Markus Gilli. Sehen Sie die wichtigsten Momente der kontroversen Diskussion im Zusammenschnitt.

Die Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, dürften sich gar nicht erst auf den Weg machen. So der Standpunkt des Schweizer SVP-Präsidenten. Das Drama sei eine Folge der «desaströsen Asylpolitik» in Europa. Grünen-Nationalrat Vischer ist «schockiert».

Es sind Bilder, beelenden: Menschen, die sich mit letzter Kraft an Wrackteile klammern und verzweifelt gegen die Wellen ankämpfen, beherzte Retter, die sich in die Fluten stürzen.

Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer nimmt immer grössere Ausmasse an.

Verzweifelt kämpfen die Schiffbrüchigen gegen die Wellen: Das Video der griechischen Zeitung «Rodiaki» zeigt das Drama, das sich am Montag vor der Insel Rhodos abspielte.

Das Video der griechischen Zeitung «Rodiaki» zeigt das Drama, das sich am Montag vor einer Woche vor der Insel Rhodos abspielte.

Für SVP-Präsident Toni Brunner ist das die «desaströse Folge der europäischen Asylpolitik»: «Indem man nämlich in Afrika und denen Krisenländern die Hoffnung schürt, man bekomme in Europa Asyl.»

«Wenn man andere Signale aussenden würde, nämlich, dass es in Europa gar kein Asyl gibt, dann würden sich die Leute gar nicht auf den Weg machen», sagt er in der Sendung «TalkTäglich» am Montagabend. 

Flüchtlinge «verhindern»

Für Brunner ist ganz klar: Die Schweiz und auch Europa müssten «verhindern», dass die Menschen «überhaupt aufs Meer hinaus und in diese missliche Lage» geraten.

Und zwar mit einem «Abschreckungsprogramm», einer Aufklärungskampagne vor Ort.

Das bekannteste Abschreckungsprogramm fährt Australien – und wird dafür von Menschenrechtsorganisationen immer wieder kritisiert.

In den neuesten Videos der Immgrationsbehörde werden Migranten in zahlreichen Sprachen zuallererst vor einer illegalen Einreise gewarnt: «Jeder, der per Schiff ohne Visum nach Australien reisen will, wird zurück geschickt.»

Mit diesem und zahlreichen anderen ähnlichen Videos klärt Australien Immigranten auf. Alle beginnen mit derselben abschreckenden Klausel für illegale Einreisende.

Mit diesem und zahlreichen anderen ähnlichen Videos klärt Australien Immigranten auf. Alle beginnen mit derselben abschreckenden Klausel für illegale Einreisende.

«Australien wird nicht dein neues Zuhause»: Mit der «No Way»-Kampagne erregte das Land bereits vor einem Jahr Aufsehen.

«Australien wird nicht dein neues Zuhause»: Mit der «No Way»-Kampagne erregte das Land bereits vor einem Jahr Aufsehen.

«Europa ist nicht würdig für solche Programme»

Brunners Kontrahent, der grüne Zürcher Nationalrat Daniel Vischer, ist «schockiert» ob den Aussagen des SVP-Präsidenten.

«Es findet gar keine wirkliche Trauer statt.» Stattdessen diskutiere man darüber, wie man die Flüchtlinge abewehren könne. «Offenbar sind das Menschen zweiter Klasse.» 

Und: «Europa ist nicht Australien. Und nicht würdig für solche Programme.»

«Diese Menschen haben ein Recht auf Asyl in der Schweiz»

Für Vischer ist klar: «Die Festung Europa ist gestorben. Wir müssen umdenken.»

Er fordert eine Wiedereinführung des Botschafts-Aslys und eine Sistierung des Dublin-Verfahrens bei Flüchtlingen, die in die Schweiz kommen.

Denn: «In der Schweiz gibt es Asyl. Und ein Recht auf Asyl für an Leib und Leben Verfolgte.»

«Wir wissen, dass ein grosser Teil der Menschen auf diesen Booten ganz klar in der Schweiz Asyl bekämen.»

«Das Zentrale»: Ein neues «Mare Nostrum»

Brunner wehrt ab: «Man kann doch nicht einfach den Kanal öffnen und alle Leute nach Europa holen. Am Schluss sind es Millionen.»

Zudem würde sich Europa damit nur mitschuldig machen an den Machenschaften der Schlepperbanden.

Für Vischer ist trotz den Schlepperbanden «das Zentralste», dass wieder ein Hilfsprogramm wie «Mare Nostrum» aufgegleist werde.

Dieses habe 2500 Menschen das Leben gerettet und sei genau wegen solcher Befürchtungen eingestellt worden. (smo)

Flüchtlingsdrama: Was soll die Schweiz tun? Sehen Sie hier den ganzen Talk zum Thema.

Flüchtlingsdrama: Was soll die Schweiz tun? Sehen Sie hier den ganzen Talk zum Thema.

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