Die Zahlen sind schockierend: In der Schweiz sterben jährlich mehr als doppelt so viele Menschen durch Fehler im Spital als durch Grippe, Aids und Verkehrsunfälle zusammen (siehe Grafik). Noch mehr Patienten werden durch vermeidbare Behandlungsfehler kurzfristig oder bleibend geschädigt.

Klar ist: Die Hauptverantwortung für die Sicherheit liegt beim Spitalpersonal. Trotzdem sollen nun auch Patienten selbst einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit leisten.

12 Spitäler an 16 Standorten in der Schweiz verteilen deshalb ab Ende 2010 die Broschüre «Fehler vermeiden - Helfen sie mit!». «Die Broschüre enthält Hinweise und konkrete Handlungsempfehlungen für Patienten, wie sie sich während des Spitalaufenthalts verhalten können, um das Risiko von Fehlern zu reduzieren», sagt Martina Bischof, Sprecherin der Stiftung für Patientensicherheit. In einer sechsmonatigen Pilotphase sei der Nutzen, die Akzeptanz und die Erfahrungen in drei Spitälern erfolgreich getestet worden.

Doch wie sehen diese Tipps aus? Hier einige Beispiele zu den häufigsten Fehlern - Medikationen und Verwechslungen:

• Bringen Sie eine Liste mit allen Medikamenten ins Spital mit, die sie zur Zeit einnehmen. Darauf sollen auch «sanfte» Heilmittel, wie Kräuter, Homöopathie, Vitamine oder Anti-Aging-Produkte stehen.
• Sagen Sie es, wenn Sie glauben, dass Sie ein falsches Medikament, die falsche Dosis oder das Medikament zum falschen Zeitpunkt erhalten. Nehmen Sie es nicht ein, bis die Zweifel ausgeräumt sind.
• Nehmen Sie niemals Medikamente von anderen ein und geben Sie Medikamente nie weiter.
• Wenn Sie mit falschem Namen oder undeutlich angesprochen werden, korrigieren Sie die Verwechslung sofort und sagen Sie, wer Sie sind.
• Wenn Sie Blutransfusionen erhalten kontrollieren sie, ob Ihr Vor- und Nachname und Geburtsdatum korrekt auf dem Beutel stehen.
• Wenn Sie Muttermilch abpumpen, schauen Sie, dass die Milchgefässe und Schoppen für Ihr Kind mit dem richtigen Namen angeschrieben sind.

Das Kantonsspital Aarau (ksa) war eines der drei Spitäler, das ihren Patienten in den letzten Monaten die Broschüre austeilte. Das Fazit fällt positiv aus: «Die Tipps haben mitgeholfen, dass die Patienten ihre eigene Behandlung aufmerksamer verfolgen», sagt Susanne Schirlo, Bereichsleiterin Pflege im ksa.

Einige Mitarbeiter waren zuerst skeptisch: «Sie hatten Angst, die Patienten könnten denken , dass sich das Personal nun weniger um sie kümmert.» Doch diese Bedenken hätten sich schnell gelegt. «Nachdem wir die Empfehlungen bisher nur in der medizinischen Klinik verteilt haben, möchten wir diese nun Patienten in allen Kliniken verteilen.»