Drastische Drohung

«Todesstrafe» für Hundebesitzer?

En Dorf im Jura macht mobil: Hundebesitzer, die die Hundesteuer nicht bezahlen, sollen büssen. Und wie: Ihre lieben Kleinen werden eingeschläfert.

Reconvilier ist ein kleines Dorf. 2000 Einwohner, 280 Hunde. Diese machen iel Dreck, und der muss weggeräumt werden. Auch die grünen Kübel, in denen die Hinterlassenschaften der Vierbeiner entsorgt werden können, müssen regelmässig geleert werden. Diese Service wird unter anderem über die Hundesteuer abgegolten. Nur. Viele Hundebesitzer weigern sich, die Steuer für ihre geliebten Tierchen zu bezahlen. Wieviel der Schweiz jährlich durch geschwänzte Hundesteuern entgeht, ist unbekannt. In Deutschland geht man indes von mehreren Millionen Steuergeldern aus.

Pierre-Alain Némitz ärgert dies. Der Gemeindeschreiber von Reconvilier hat deshalb kurzerhand im Lokalanzeiger «Journal du Jura» eine Amtsmitteilung publiziert, in der offizialisiert wird, was laut Gesetz des Kanton Juras schon seit 1904 geschrieben steht. Dass jeder die 50 Franken Hundesteuer zu bezahlen hat. Vor 35 Jahren rückte im Dorf ein Polizist aus, und tötete den Hund, weil ein Bürger keine Steuern zahlte.

Das Einschläfern der Hunde stösst bei den Einwohnern auf wenig Verständnis. Némitz bekomme anonyme Drohungen, heisst es. Dabei sei es nicht «meine Idee», lässt sich der Amtsmann zitieren. «Das ist doch nicht meine Idee, sondern die des Gemeinderats. Die Steuer beträgt bei uns läppische 50 Franken im Jahr. Wer einen Hund hat, muss doch auch bereit sein, sie zu bezahlen.» Aber der Gemeindeschreiber beruhigt alle Hundebesitzer. So brachial wolle man nicht mehr vorgehen - «allein schon wegen des Tierschutzgesetzes.» (cls)

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