Schweizer Luftwaffe
Tod eines Piloten: Jetzt ist klar, warum die PC-7 am Schreckhorn abstürzte

Nun ist klar, weshalb ein PC-7 im September 2017 am Schreckhorn abgestürzt ist: Der Pilot flog trotz ungenügender Sichtverhältnisse nach den Regeln des Sichtflugs statt im Instrumentenflugverfahren.

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Kopie von Die schwersten Unfälle der Schweizer Luftwaffe der letzten Jahre
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17. Februar 2017 Ein Flugzeug der PC-7-Fliegerstaffel der Schweizer Luftwaffe zertrennt an der WM in St. Moritz bei einem Trainingsflug das Zugseil einer SRF-Seilbahnkamera. Die Kamera fällt in den Zielraum und landet im Schnee. Verletzt wird niemand.
28. September 2016 Ein Super Puma der Luftwaffe stürzt auf dem Gotthardpass ab, nachdem er in ein Kabel flog, und gerät in Brand.
28. September 2016 Der Helikopter brennt komplett aus.
28. September 2016 Die beiden Piloten sterben, der Flughelfer wird verletzt.
28. September 2016 In diese Leitung flog der Helikopter, bevor er abstürzte.
29. August 2016 Ein einsitziger F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe stürzt im Sustengebiet ab. Der Pilot kommt ums Leben.
9. Juni 2016 Ein F5-Kampfflugzeug der Patrouille Suisse stürzt in der Nähe des Militärflugplatzes Leeuwarden in den Niederlanden ab. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten.
14. Oktober 2015 Eine zweisitzige F/A-18 stürzt im gemeinsamen Trainingsraum mit Frankreich südöstlich von Besançon ab.
14. Oktober 2015 Der Pilot wird verletzt. Im Bild die Trümmer des abgestürzten Kampfjets.
23. Oktober 2013 Im Raum Alpnachstad im Kanton Obwalden zerschellt eine zweisitzige F/A-18 am Lopper. Der Pilot und sein Passagier, ein Arzt des Fliegerärztlichen Instituts, werden getötet.
12. November 2002 Ein PC-7 kollidiert bei Bonaduz GR mit dem Seil der Luftseilbahn Rhäzüns-Feldis. Zwei Milizoffiziere kommen ums Leben.
12. Oktober 2001 Beim Absturz eines Alouette-III-Helikopters oberhalb von Montana VS nach der Kollision mit einem Kabel kommen alle vier Insassen ums Leben.
25. Mai 2001 Bei einem Grenzüberwachungsflug touchiert ein Alouette-III-Helikopter bei Delsberg JU ein Kabel und stürzt ab. Der Pilot und drei Grenzwächter werden tödlich verletzt.
14. Oktober 1998 Zwei Trainingsflugzeuge des Typs PC-9 stossen in der Luft zusammen. Während die eine Maschine landen kann, zerschellt die andere bei Oberuzwil SG. Der Pilot stirbt.
7. April 1998 Beim Absturz eines F/A-18-Kampfjets bei Crans VS werden beide Insassen getötet. Als Ursache wurde eine räumliche Desorientierung des Piloten angenommen.
12. November 1997 Ein Pilatus-Porter PC6 stürzt bei schlechtem Wetter in der Nähe von Boltigen BE ab. Der Pilot und vier Soldaten sterben.
20. März 1997 Eine Mirage III RS stürzt bei einem Aufklärungsflug im Raum Ste-Croix VD ab. Der Pilot kommt ums Leben.
4. Juli 1996 Ein Kampfjet Tiger F-5E bohrt sich in Schänis SG nach einem unbeabsichtigten Schleudersitzabschuss in den Boden. Der Pilot überlebt.

Kopie von Die schwersten Unfälle der Schweizer Luftwaffe der letzten Jahre

Keystone

Dies teilte die Militärjustiz am Dienstagmorgen mit. Der Pilot kam ums Leben, als das Flugzeug vom Typ Pilatus PC-7 Turbo-Trainer am 12. September 2017 in die Westflanke des Schreckhorns in den Berner Alpen prallte. Der Untersuchungsrichter der Militärjustiz hat die vorläufige Beweisaufnahme auf Auftrag des Kommandanten der Luftwaffe durchgeführt.

Der Luftwaffenchef stellte sich nach dem Absturzt 2017 den Medien:

In seinem Schlussbericht hält er fest, dass sich das Flugzeug der Luftwaffe zum Zeitpunkt des Unfalls in den Wolken befunden habe. Es kollidierte rund 100 Meter unterhalb des Gipfels mit dem Schreckhorn. Der Pilot hätte im Rahmen eines individuellen Trainings von Payerne VD nach Locarno TI und wieder zurück fliegen sollen. Er sei als sehr erfahrener Militärpilot qualifiziert gewesen.

Ohne Flugdatenschreiber

Der Untersuchungsrichter kommt nun zum Schluss, dass der Pilot aufgrund der vorherrschenden Wetterlage bei der Überquerung des Alpenhauptkamms das falsche Verfahren gewählt habe - Sicht- statt Instrumentenflug - oder zumindest der Einsatzzentrale per Funk nie einen formell korrekten Wechsel gemeldet habe. "Somit stellt ein fliegerischer Aspekt die Unfallursache dar", schreibt die Militärjustiz.

Der PC-7 hat keine eigenen Flugdatenschreiber - der Unfall musste deshalb über die Auswertung von Flugplänen und anhand von Datensätzen der Luftraumüberwachung rekonstruiert werden.

Piloten besser für Funk schulen

Ob das Verhalten des Piloten militärstrafrechtlich relevant sei, könne offenbleiben. Weil er ums Leben gekommen sei, bestehe ein Verfahrenshindernis. Korpskommandant Aldo Schellenberg hat den Antrag des Untersuchungsrichters gutgeheissen, auf eine weitere militärstrafrechtliche Verfolgung zu verzichten. Das Verfahren ist damit rechtskräftig abgeschlossen.

Der Untersuchungsrichter regt allerdings an zu prüfen, ob erfahrene Piloten gezielt geschult werden sollen, um die Funkdisziplin aufzufrischen. Ferner sei der Einbau von elektronischen Positions- und Kollisionswarngeräten im PC-7 zu prüfen.