Zora Ledergerber
Tochter des ehemaligen Stapi neu im Zürcher Parlament

Die Grünliberalen sind die grossen Sieger der Stadtzürcher Parlamentswahlen. Für die junge Partei zieht auch Zora Ledergerber ins Stadtparlament, die Tochter des früheren SP-Stadtpräsidenten.

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Zora Ledergerber

Zora Ledergerber

Zur Verfügung gestellt

Matthias Scharrer

Frau Ledergerber, die Grünliberalen siegen und die SP verliert im Zürcher Stadtparlament. Ihre Erklärung?
Zora Ledergerber: Wir sind eine innovative Partei, jenseits des überholten Rechts-links-Schemas. Wir haben es verdient, nachdem wir letztes Mal noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind.

Und die SP, hat die ihre Niederlage auch verdient?
Ledergerber: Da müssen Sie die SP fragen.

Ich frage Sie, weil Sie den Wandel verkörpern, der jetzt in Zürich stattfindet. Sie stammen aus prominentem SP-Elternhaus. War es ein Abnabelungsprozess, der Sie zur Grünliberalen machte?
Ledergerber: Nein, es war überhaupt kein Abnabelungsprozess. Ich habe mich für die Grünliberalen entschieden, weil ich mich mit dem identifizieren kann, was sie machen. Die Grünliberalen waren für mich von Anfang an die einzige Partei, die infrage kam.

Hat die SP zu viel Gewerkschaftsmief?
Ledergeber: (lacht) Das war kein Entscheid gegen SP oder FDP, sondern für die Grünliberalen. Ich politisiere nicht gegen das eine oder andere Lager. Sondern für meine Überzeugungen.

Und was sind Ihre Überzeugungen?
Ledergerber: Die grünen Themen werden immer wichtiger. Aber nicht im Sinne eines grünen Fundamentalismus. Es geht darum, Ökologie mit einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung zu vereinbaren.

Liebäugeln mit GLP

Nach den Verlusten der SP und Gewinnen der Grünliberalen (GLP) am Wahlwochenende ist die links-grüne Mehrheit im Zürcher Stadtparlament weg. FDP-Fraktionschef Michael Baumer, möglicher Nachfolger des scheidenden Stadtparteipräsidenten Urs Egger, liebäugelt am Tag nach der Wahl mit der GLP: «Wir können mit der GLP eine bürgerliche Finanzpolitik durchsetzen», sagte er am Montag auf Anfrage. Mit «wir» meine er FDP, SVP, aber auch CVP und EVP.

Trotz Verlusten der FDP gewinnt er dem Resultat der Gemeinderatswahl Positives ab: «Der linksgrüne Block ist gesprengt.» Ob die Stadtzürcher FDP künftig enger mit der SVP zusammenspanne, hänge auch von der Politik des Stadtrats ab. Dort stehen die beiden FDP-Mitglieder neu einer auf sechs Köpfe angewachsenen rot-grünen Mehrheit gegenüber. «Der ideologische Ton der neugewählten Stadtratsmitglieder verheisst nichts Gutes», so Baumer. «Sollten sie nicht zur Vernunft kommen, muss man sicher Koalitionen suchen.»

Ähnlich klingts bei Mauro Tuena, Fraktionschef der SVP: «Ich werde mit FDP und GLP das Gespräch suchen. Vor allem in der Finanzpolitik könnten wir eine Zusammenarbeit finden.» Eine engere Zusammenarbeit zwischen FDP und SVP dränge sich auf. Zumal die beiden Parteien nach dem Ausscheiden der Partei für Zürich die fürs Behördenreferendum nötigen 42Stimmen zusammenbringen. (mts)

Was heisst das konkret für Zürich?
Ledergerber: In Zürich ist das Problem, dass wir ein relativ grosses Klumpenrisiko mit den Banken haben. Wir sind sehr abhängig vom Bankenplatz. Wir Grünliberalen werden uns dafür einsetzen, dass wir dieses Risiko reduzieren können, indem wir uns für KMU- und Greentech-Förderung engagieren.

Sehen Sie sich in Opposition zum rot-grün dominierten Stadtrat?
Ledergerber: Wir sehen uns nicht als Opposition, sondern als konstruktive neue Kraft, die bei den Sachthemen je nachdem mit links oder rechts zusammenspannen wird.

Bei welchen Themen wollen Sie mit links zusammenspannen?
Ledergerber: Das kann man jetzt noch nicht sagen. Das wird sich aus dem konkreten politischen Alltag ergeben.

Aber wo sehen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen Ihnen und der rot-grünen Mehrheit, die nach wie vor in Zürich regiert?
Ledergerber: Wir sind grünliberal. Wir versuchen, Wirtschaft und Ökologie zu vereinen. Wir hängen keinen Ideologien nach, sondern versuchen, Sachgeschäfte zu machen. Im Unterschied zur SP sind wir überhaupt nicht auf Gewerkschaftslinie.

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten mit FDP und SVP?
Ledergerber: Bei Wirtschaftsthemen sind wir sicher eher bürgerlich und denken liberaler. Aber wie das im Einzelfall aussehen wird, ist offen.

Sind die Grünliberalen die neue Wechselpartei in der Mitte, die mal mit den Linken, mal mit den Rechten Mehrheiten bildet?
Ledergerber: Mit zwölf Sitzen im Gemeinderat haben wir relativ viel Gewicht. Wir positionieren uns klar in der Mitte und werden deshalb in der komfortablen Lage sein, in gewissen Geschäften das Zünglein an der Waage zu spielen.

Sie lassen sich alle Optionen offen ...
Ledergerber: Wir werden reinkommen und versuchen, das Beste daraus zu machen.

Wie verändert die Wahl in den Gemeinderat persönlich Ihr Leben?
Ledergerber: Es wird noch mehr Arbeitsaufwand geben mit Sitzungen und Strategiebesprechungen. Ich freue mich auf diese neue Aufgabe.

Sie sind beruflich selbstständig. Was machen Sie genau?
Ledergerber: Ich habe letztes Jahr eine Firma gegründet, die Unternehmen und die öffentliche Verwaltung berät bei der Einführung interner Meldesysteme zur Meldung von Missständen.

Sehen Sie Ihre Aufgabe darin, rot-grünen Filz aufzudecken?
Ledergerber: Ich sehe meine Aufgabe darin, die Politik zu machen, von der ich überzeugt bin. Dazu gehört, dass man Missstände aufdeckt, unabhängig vom Parteibuch.

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