Zirkus
Tierschutz reicht Strafanzeige gegen Circus Royal ein

Der Vorwurf ist happig: Der Zirkus soll seine Tiere in einem Sattelschlepper bis zu 27 Stunden eingesperrt und weder gefüttert noch getränkt haben. Circus Royal wehrt sich vehement gegen die Anschuldigungen und sagt: «Die Vorwürfe sind haltlos.»

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Hat der Circus Royal die Tiere bis zu 27 Stunden eingesperrt? (Symbolbild)

Hat der Circus Royal die Tiere bis zu 27 Stunden eingesperrt? (Symbolbild)

Keystone

Das Zirkusunternehmen Royal soll nach dem Auftritt im österreichischen Bregenz am Sonntag, 28. November, seine Tiere tierschutzwidrig bis nach Emmenbrücke transportiert haben. So soll eine Tierschutz-Verantwortliche vor Ort am Vorarlberg gesehen haben, wie Ziegen, Schafe, Schweine und Nandus bis zu 27 Stunden im Sattelschlepper eingesperrt waren und kein Futter und kein Wasser zur Verfügung gehabt hätten. Circus-Royal-Sprecher Oliver Skreinig kann darüber nur den Kopf schütteln: «Diese Vorwürfe sind absolut haltlos und stimmen hinten und vorne nicht.»

Nach der Ankunft der Sattelschlepper am Montagabend in Emmenbrücke standen bereits die Polizei und das Veterinäramt Luzern auf dem Platz. «Die Amtstelle hat bei uns drei Tage lang alles überprüft und überhaupt keinen Handlungsbedarf gefunden. Ich glaube, das sollte ein grosses Zeichen dafür sein, dass die Vorwürfe vom Tierschutz völlig haltlos sind», sagt Skreinig weiter.

Thomas Kalbermatter, Bereichsleiter Tierschutz beim Veterinärdienst des Kantons Luzern, bestätigt, dass an der Tierhaltung in Emmenbrücke nichts zu beanstanden sei. Betreffend Tiertransport habe er keine erheblichen Mängel festgestellt. Es sei jedoch an der St. Galler Staatsanwaltschaft, über die strafrechtliche Relevanz der STS-Anzeige gegen den Zirkus zu entscheiden.

Dort reichte nämlich der Tierschutz Strafanzeige gegen das Zirkusunternehmen ein. «Warum muss denn ein Zirkus 27 Stunden mit Tieren unterwegs sein?», fragt sich Sara Wehrli vom Tierschutz. Normalerweise würden sie nur Strecken zwischen 30 und 40 Kilometer fahren, beantwortet Skreinig diese Frage. Es handle sich beim erwähnten Transport um einen «Ausnahmefall». «Zudem halten wir die gesetzlichen Vorschriften sowohl bei Wägen wie auch bei den Ställen mehr als nur notwendig ein und die Tiere hatten zu jeder Zeit Wasser und Futter», sagt er. «Ob die Tiere nun auf Räder im Sattelschlepper sind oder im Stall spielt keine grosse Rolle», ergänzt Skreinig. «Die Tiere sind damit aufgewachsen. Wir wechseln teilweise wöchentlich zwei Mal den Standort. Da gehören Transporte zum Leben der Tiere.» Deshalb seien sie auch nie Stresssituationen ausgesetzt, so Skreinig.

Tierschutz verweigerte vorerst Kooperation

Erst am Montagabend in Emmenbrücke habe der Tierschutz den Circus Royal mit den Vorwürfen konfrontiert, was Skreinig bedauert. «In der heutigen Gesellschaft sollte man doch miteinander arbeiten können und nicht gegeneinander», bedauert Skreinig. Er wirft dem Tierschutz vor, «mit den haltlosen Vorwürfen medienwirksamen Tumult zu machen». Ich wollte vor zwei Monaten den Tierschutz einladen, damit sie unseren Zirkus kennenlernen. Sie dürften dabei gerne erwähnen, was ihnen nicht passt» zeigt sich Skreinig kooperativ. Doch der Tierschutz lehnt nach wie vor. Zu dieser Zeit würde ein Besuch «aufgrund der angespannten Lage» nicht infrage kommen, sagt Sarah Wehrli vom Tierschutz auf Anfrage der az. «Wir sind von Gesprächen aber nicht abgeneigt. Dieses Angebot würden wir gerne 2011 wahrnehmen», sagt sie.

Vorwürfe bereits im Frühling

Im Frühling dieses Jahres hatte der Tierschutz den Circus Royal bereits gerügt, sie würden die Tiere nicht artgerecht halten. Ausserdem würde der Circus Royal in der Manege unter anderem durch die Tiere «unverständliche Strafen», wie unnötige und übertriebene Peitscheneinsätze, negativ auffallen. Damals wies Circus Royal die Vorwürfe zurück, der Tierschutz würde mit Medienauftritten Spendengeldern eintreiben wollen. (sha)