Die prognostizierten Kosten für die Entsorgung des Atommülls sind in den letzten 20 Jahren horrend gestiegen: 1992 glaubte die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), ein Lager werde vier Milliarden Franken kosten. Seither sind die Berechnungen regelmässig nach oben korrigiert worden – bis auf 16 Milliarden Franken 2011.

In den nächsten Monaten wird Swissnuclear, der Verband der Atombranche, eine neue Kostenstudie (KS16) präsentieren. Der Geologe und Tiefenlagerspezialist Marcos Buser hat im Vorfeld errechnet, dass der Kostenschub mindestens weitere zwei Milliarden Franken betragen wird, wie die SonntagsZeitung bereichtet.

Er hat in einer noch nicht publizierten Studie im Auftrag von Greenpeace die finanzielle Entwicklung untersucht. Ein besonderer Kostentreiber sind Verzögerungen im Zeitplan. Bereits 2014 hatte das Bundesamt für Energie (Bfe) bekannt gegeben, der Zeitplan verzögere sich um zehn Jahre.

Jetzt hat letzte Woche der Ausschuss der Standortkantone unter der Leitung des Zürcher Regierungsrats Markus Kägi die Nagra aufgefordert, auch den Standort Nördlich Lägern (ZH/AG) weiter zu untersuchen. Die Nagra wollte darauf verzichten und nur noch Jura Ost (AG) und Zürich Nordost (ZH) prüfen.

Tiefenlager-Spezialist Buser geht davon aus, dass dies die Lagersuche um weitere drei bis vier Jahre verzögert. Das würde, bei einer Verzögerung von insgesamt 14 Jahren, allein für den Betrieb der Nagra und das Zwischenlager Würenlingen Mehrkosten von mindestens anderthalb Milliarden Franken bedeuten.

Nagra-Visualisierung: Wie ein Tiefenlager an der Erdoberfläche aussehen würde und wie es aufgebaut ist.

Nagra-Visualisierung: Wie ein Tiefenlager an der Erdoberfläche aussehen würde und wie es aufgebaut ist.

In einer Oberflächenanlage werden die radioaktiven Abfälle angeliefert und für die Einlagerung in einem Tiefenlager vorbereitet. Als Standort für das Tiefenlager im Bözberg ist Villigen vorgesehen.