Notrufnummer
Thomas Minder will eine einheitliche Notrufnummer in der Schweiz einführen

Heute berät der Ständerat eine Motion seines Schaffhauser Mitglieds Thomas Minder. Dieser will, dass in der Schweiz nur noch eine Notrufnummer gilt: die europäische 112

Sermîn Faki
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Der parteilose Schaffhauser Ständerat Thomas Minder (Archiv)

Der parteilose Schaffhauser Ständerat Thomas Minder (Archiv)

Keystone

Wer in der Schweiz einen Notfall erleidet und dringend die Hilfe von Polizei, Feuerwehr oder Sanität braucht, hat die Qual der Wahl: Als Notrufnummern stehen die 117 (Polizei), die 118 (Feuerwehr), die 144 (Sanität) und seit dem Jahr 1998 auch die 112 zur Verfügung. Letztere ist die europaweit geltende Notrufnummer. Selbst in Israel, einigen afrikanischen Ländern und im pazifischen Raum ist die 112 als Notrufnummer bekannt.

Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder verlangt nun per Motion vom Bund, dafür zu sorgen, dass die anderen Schweizer Notrufnummern 117, 118 und 144 durch die 112 ersetzt werden. Der parteilose Unternehmer verspricht sich davon Synergieeffekte zwischen Notrufzentralen; die vereinfachte Kommunikation und Merkbarkeit des Notrufs und den Abbau von technischen Hürden, weil die 112 auch dann erreichbar ist, wenn das Mobiltelefon gesperrt oder die SIM-Karte defekt ist. Ausserdem sei eine Zentralisierung auch für europäische Touristen sinnvoll, ja womöglich gar lebensrettend. Denn, so Minder, sie kennen die Nummer bereits.

Ordnungspolitisches Nein

Der Bundesrat hat Minders Vorstoss zur Ablehnung empfohlen. Aus seiner Antwort geht hervor, dass es vor allem ordnungspolitische Gründe sind, die ihn von der «Erzwingung des Primats der 112 gegenüber allen anderen Notrufnummern» abhalten. Wie so vieles in der Schweiz fallen nämlich auch die Notrufnummern der Rettungsdienste in die Zuständigkeit der Kantone. Daher sollten allfällige Harmonisierungsbestrebungen auch von diesen ausgehen, meint die Landesregierung. Sie sichert Minder allerdings zu, dass er sich bei den zuständigen polizeitechnischen Organen nach wie vor für eine Bevorzugung der 112 gegenüber der 117 einsetzen wird.

In den Kantonen gibt es allerdings kaum Bestrebungen, die Notrufnummern auf die 112 zu reduzieren, wiewohl dies in der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten bereits Thema war, wie deren Generalsekretär Vladimir Novotny sagt. «Die Abschaffung der anderen Notrufnummern bringt unserer Meinung nach keine Vorteile», führt er aus. Zwar erfreue sich die 112 wachsender Beliebtheit, doch viele Leute wählten noch immer die anderen Notrufnummern.

Hauptsache, die Hilfe kommt

Laut Novotny spielt es ausserdem keine Rolle, welche Nummer jemand wählt. In den meisten Kantonen landeten die Notrufe ohnehin bei derselben Einsatzzentrale. Synergieeffekte wie von Minder erhofft, sieht Novotny daher auch nicht. «Die Blaulichtorganisationen Polizei, Feuerwehr und Sanität arbeiten nicht separat voneinander.» Zwar gebe es kantonal unterschiedliche Modelle, die Koordination sei aber überall sehr gut. Klagen über mangelnde Zusammenarbeit seien ihm noch nie zu Ohren gekommen.

«Das Wichtigste», so Novotny, «ist doch, dass man schnell die richtige Hilfe erhält, wenn man den Notruf wählt – unter welcher Nummer auch immer.» Mit der bisherigen Regelung geht die Schweiz übrigens für einmal keinen Sonderweg. So sind beispielsweise in fast allen EU-Staaten neben der 112 auch andere nationale Notrufnummern verbreitet. Beispielsweise kann man die Polizei in Deutschland noch immer unter der 110 erreichen.

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