Auseinandersetzung

Thomas Aeschis Schlagabtausch mit den Titlis-Bahnen: Der unveröffentlichte E-Mail-Verkehr

Lässt nicht schnell locker: SVP-Fraktionschef und Skifahrer Thomas Aeschi.

Lässt nicht schnell locker: SVP-Fraktionschef und Skifahrer Thomas Aeschi.

Der SVP-Fraktionschef legte sich auf Twitter mit den Verantwortlichen des Zentralschweizer Wintersportorts an. Dann verlagerte sich die Debatte aufs E-Mail  – mit mehr als einem halben Dutzend Bundeshaus-Journalisten im CC.

Eines muss man SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi lassen: Der Mann gibt sich nicht so schnell geschlagen. Am vergangenen Karfreitag beklagt sich der Zuger Politiker während eines Skiausflugs per Twitter über lange Wartezeiten und den «Übertourismus» auf dem Titlis, und er bringt die Touristenmassen mit dem Schengen-Dublin-Abkommen in Verbindung. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. «Ich bin befremdet», sagt Peter Reinle, Marketing-Leiter der Titlis Bergbahnen, gegenüber Journalisten.

Doch Aeschi lässt nicht locker: Inzwischen hat er den Hinweis erhalten, dass indische Touristen für einen Tagesausflug auf den Titlis mit Mittagessen und Abholung im Hotel im Bernbiet 45 Franken bezahlen würden. Auf Twitter konfrontiert er am Montag Marketing-Chef Reinle mit der Information, fragt ihn, ob ausländische Touristengruppen tatsächlich günstiger auf den 3200 Meter hohen Berg reisten als Schweizer Familien.

Um sicher zu gehen, dass ihm der Angeschriebene eine Antwort gibt, kontaktiert er Reinle auch noch per E-Mail – mit über einem halben Dutzend Bundeshaus-Journalisten im CC. «Da die Titlis-Bahnen nur alle drei Monate twittern, haben Sie eventuell nicht gemerkt, dass ich Sie angeschrieben habe», schreibt der SVP-Fraktionschef dem Marketing-Leiter. Und: «Im Gegensatz zu Ihrem Verwaltungsratspräsidenten stand ich noch keinen einzigen Tag in Österreich auf der Skipiste.»

«Wir reagieren nicht auf Belanglosigkeiten»

Kurze Zeit später folgt die nicht minder scharfe Replik des Titlis-Marketing-Chefs. Die Journalisten immer noch im CC. «Wir reagieren nicht auf Belanglosigkeiten und fragwürdige Posts in den Sozialen Medien», schreibt Reinle. Dann geht er doch noch auf Aeschis Frage ein. «Den tiefsten Preis für ein Billett Engelberg-Titlis retour erhält ein Schweizer Gast mit Halbtax-Abo.» Die Aussage, dass ausländische Touristengruppen billiger auf den Titlis kämen als Schweizer Familien, sei falsch. Thema erledigt?

Nein, Aeschi ist nicht zufrieden. «Leider beantworten Sie viele nicht gestellte Fragen, jedoch nicht meine Frage nach der Kostenstruktur für ausländische Pauschaltouristen.» Der SVP-Politiker bietet dem Titlis-Verantwortlichen ein Gespräch an. «Gerne erwarte ich Ihre Terminvorschläge.»

Marketing-Chef Reinle scheint die Geduld zu verlieren und schickt Aeschi noch einmal fast die identische Antwort wie im vorherigen E-Mail: Der Durchschnittsertrag eines ausländischen Gruppengastes sei höher als der Durchschnittsertrag eines Schweizer Skifahrers. Punkt. «Freundliche Grüsse vom TITLIS.»

Doch Aeschi will weitere Informationen. «Könnten Sie mir bitte schreiben, wie viel ein Tourist, der in einer Touristengruppe reist, für eine Fahrt auf den Titlis bezahlt?» Es ist das letzte E-Mail, das die acht Journalisten im CC mitlesen dürfen.

Aussprache ist geplant

Nachfrage bei den beiden Beteiligten: Wie ist das E-Mail-Duell ausgegangen? Thomas Aeschi sagt: «Die Titlis-Bergbahnen und ich haben vereinbart, uns in den kommenden Wochen zu einer Aussprache zu treffen, um allfällige noch offene Fragen im bilateralen Gespräch zu klären.» An seiner Hauptaussage halte er fest: «Auch beim Tourismus muss die Schweiz auf Qualität und nicht auf Quantität setzen. Ich möchte nicht, dass wir in der Schweiz eines Tages Szenen haben wie in der Altstadt von Barcelona oder Venedig.»

Wenig überraschend klingt es bei Titlis-Mann Peter Reinle leicht anders. Er sagt, die Sache sei «vom Tisch». «Herr Aeschis Frage ist beantwortet. Ausländische Touristen bezahlen nicht weniger.» Ob sich beim direkten Gespräch eine Einigung erzielen lässt, wird sich zeigen.

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