Thierry Burkart
«Er wird einen liberalen Stromstoss durch die Partei jagen»: Was die Wahl des neuen Präsidenten für die FDP bedeutet

Am Samstag wurde der Aargauer FDP-Ständerat Thierry Burkart zum neuen Präsidenten der Liberalen gewählt. Parteikolleginnen und -kollegen verraten, was unter Burkarts Führung anders werden wird – und was sie sich von ihm wünschen.

Chiara Stäheli
Drucken
Teilen
Die ehemalige Parteipräsidentin Petra Gössi übergab am Samstag an der Delegiertenversammlung ihr Amt an Thierry Burkart.

Die ehemalige Parteipräsidentin Petra Gössi übergab am Samstag an der Delegiertenversammlung ihr Amt an Thierry Burkart.

Bild: Peter Schneider / Keystone

Am Samstag haben die Delegierten der FDP Thierry Burkart mit einem Glanzresultat zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der 46-Jährige löst damit Petra Gössi ab, die das Amt in den letzten fünf Jahren innehatte. Was ändert sich nun, da der Aargauer Ständerat an der Spitze der nationalen Partei steht? Und was erhoffen sich seine Parteigenossen vom neuen Präsidenten?

«Burkart wird bestimmt viel Energie in eine geschärfte Positionierung der FDP stecken», sagt seine Parteikollegin, die Aargauer Nationalrätin Maja Riniker. Insbesondere bei den Themen Energie, Verkehr und Sicherheit rechnet Riniker damit, dass Burkart den liberalen Grundgedanken konsequent verfolgt und nach aussen wahrnehmbar macht, wofür die FDP steht. «Die Leute werden unter Burkart ein sehr klares Bild davon erhalten, welche Positionen die FDP vertritt», sagt Riniker.

Die Nationalrätin wünscht sich, dass Burkart seinen Enthusiasmus beibehält und für Beständigkeit in der Parteispitze sorgt. Sie spricht damit die vier Kolleginnen und Kollegen an, die Burkart in sein Team geholt hat. Zu ihnen zählen Ständerat Andrea Caroni (AR), Ständerätin Johanna Gapany (FR) und die beiden Nationalräte Philippe Nantermod (VS) und Andri Silberschmidt (ZH). Wenn es nicht nur beim Lippenbekenntnis bleibe, dann werde die neue Führungsriege «ganz vieles möglich machen», ist Riniker überzeugt.

Fraktionen sollen stärker miteinbezogen werden

Das sieht auch Andrea Caroni so. Der Ausserrhoder Ständerat ist seit 2016 Vizepräsident und wohl auch einer der Parlamentarier, die Burkart am besten kennen. Caroni freut sich auf die Zusammenarbeit:

«Thierry Burkart nimmt sein Amt mit neuer Frische und vollem Tatendrang in Angriff. Er wird damit einen Stromstoss durch die Partei jagen.»

Nicht politisch – den Grundsätzen werde die Partei selbstverständlich treu bleiben –, sondern mit seiner Arbeitsweise. «Burkart besitzt grosse strategische und organisatorische Fähigkeiten», so Caroni. Diese werde der neue Präsident beispielsweise nutzen, um Partei und Fraktion enger zu verbinden und mit geeinter Kraft nach aussen zu strahlen.

Ins gleiche Horn wie Riniker und Caroni bläst der Urner Ständerat Josef Dittli, der ebenfalls der FDP angehört. Er bekräftigt, dass der neue Präsident «neuen Schwung» in die Partei bringen werde. «Ich denke, dass Burkart und sein vierfach besetztes Vizepräsidium einen Kurs verfolgen werden, der breit abgestützt ist», so Dittli. Ein besonderes Augenmerk werde Burkart wohl auch auf die Sicherheitspolitik legen, sei es doch eines der Steckenpferde des Aargauer Ständerates. «Damit wird dann wohl auch der Stellenwert der Sicherheitspolitik innerhalb der FDP steigen», sagt Dittli.

Der Urner Parteikollege hofft, dass Burkart «aktiv auf die Parteimitglieder zugeht, auch auf solche, die bei gewissen Themen eine etwas andere Meinung haben». Gemeint haben dürfte er damit sowohl Umwelt- als auch EU-Themen.

Burkart übt sich in Selbstkritik

Und was sagt der neue Präsident selbst zu seinen Ambitionen? In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» spricht Burkart davon, dass er die FDP als «eine Volkspartei mit klarer liberaler Kante» positionieren will. Man müsse das liberale Fundament wieder besser spüren, so der Aargauer. Er habe einige organisatorische Anpassungen vor, denn das Ziel sei nach wie vor, an den eidgenössischen Wahlen 2023 wieder an Wähleranteil zulegen zu können.

In demselben Interview überrascht er hingegen mit der Antwort auf die Frage, was er denn nicht so gut könne: «Ich will oft etwas schnell ans Ziel kommen. Dabei fehlt es mir manchmal an der Sensibilität, alle Leute abzuholen und mitzunehmen.» Er sei allerdings lernfähig. Das muss er wohl auch sein. Denn eine Partei zu führen, ohne auf die Bedürfnisse und Anliegen der Parteibasis einzugehen, scheint nicht nur undenkbar, sondern auch kontraproduktiv zu sein.

Aktuelle Nachrichten