Weil das Departement für Bildung und Kultur (DBK) des Kantons Solothurn mittelfristig nicht an den P-Standort Balsthal glaubt, orientierte es am 4. März über die Absicht, dem Regierungsrat Oensingen als zweiten Standort in der Amtei Thal-Gäu zu beantragen. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass Balsthal als gesetzter Standort dereinst aufgehoben werden könnte.

Diese Absicht kommt bei den betroffen Gemeinden und Kreisschulen nicht gut an. In separaten Stellungnahmen zuhanden des DBK bringen deshalb die Gemeindepräsidentenkonferenzen der Bezirke Gäu und Thal sowie die Kreisschulen Gäu und Thal zum Ausdruck, warum für sie nur die Standorte Balsthal und Neuendorf infrage kommen können.

Alle vier Institutionen kommen unabhängig voneinander zum Schluss, dass in Anbetracht der geografischen Ausdehnung und des Schüleraufkommens in der Amtei Thal Gäu Balsthal und Neuendorf als P-Standorte der künftigen Sekundarstufe I geführt werden sollten.

Insbesondere wegen der Grösse der Schule und der zentralen Lage im Gäu habe man sich neben dem durch die Abstimmungsvorlage vom 26. November 2006 gesetzten Standort Balsthal für Neuendorf entschieden, lassen die vier erwähnten Organe in einer Medienmitteilung verlauten.

Auch verfügten die beiden Schulen über die entsprechenden Infrastrukturen und personellen Ressourcen, um den hohen Anforderungen als P-Standort gerecht werden zu können, wird weiter ausgeführt.

Die vier Institutionen schlagen in ihrem Schreiben an die Regierung vor, für die Sek P in der Amtei Thal-Gäu sei ein Koordinationsorgan zu schaffen, dem alle drei Zweckverbände der Amtei angehören, also auch die Kreisschule Bechburg mit Sitz in Oensingen. Das Koordinationsorgan soll unter anderem die Klassenzuteilung regeln sowie optimale Klassengrössen und minimale Transportdistanzen für die Lernenden garantieren.

Deutliches Votum

Gemäss Medienmitteilung haben sich für die Lösung mit den P-Standorten Balsthal und

Neuendorf die Vorstände der Kreisschulen Thal und Gäu sowie die Gemeindepräsidentenkonferenz Thal einstimmig ausgesprochen. In der Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu fiel der Entscheid mit 7:2 Stimmen.

Nur die Gemeindepräsidenten von Oensingen und Kestenholz – beides Verbandsgemeinden der Kreisschule Bechburg – hätten sich dagegen respektive für den Standort Oensingen ausgesprochen.

Zusammenfassend hätten 16 von 18 Gemeindepräsidenten der Amtei Thal-Gäu (inkl. Fulenbach als Verbandsgemeinde der Kreisschule Gäu) für die P-Standorte Balsthal und Neuendorf gestimmt. Man hoffe, dass die Regierung diesem deutlichen Ergebnis gebührend Rechnung tragen werde, erklärte Christian Kühni in seiner Funktion als Präsident der Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu auf Anfrage.

Auch sein Thaler Amtskollege Willy Hafner hat kein Verständnis dafür, dass der Standort Balsthal von der Regierung infrage gestellt wird. «Damit wird das Thal als ganze Region geschwächt. Unsere Region hat es verdient, dass man auch in Solothurn an sie glaubt.»

Kestenholz setzt auf Oensingen

Nicht an den langfristigen Erfolg von zwei Standorten in der Amtei Thal-Gäu und damit auch Balsthal glaubt der Kestenholzer Gemeindepräsident Roger Wyss. Er sei der Auffassung, dass der Kanton die Lage realistisch einschätze. «Lieber einen starken Standort als zwei nicht wirklich gute», meint Wyss.

Dass sich Wyss auf die langjährige Zusammenarbeit der Kestenholzer Schulen mit der Kreisschule Bechburg in Oensingen beruft, wird einige Kestenholzer erstaunen, zumal er an der Budgetgemeindeversammlung im Dezember wegen Unstimmigkeiten mit Oensingen noch laut über eine Orientierung der Kestenholzer Oberstufe Richtung Kreisschule Gäu nachgedacht hatte.

Ob die deutlich ausgefallene Stellungnahme der Gäuer und Thaler Ammänner und Kreisschulen beim DBK auf fruchtbaren Boden fällt, konnte gestern wegen Abwesenheit von Bildungsdirektor Klaus Fischer nicht in Erfahrung gebracht werden. Man habe die Stellungnahme zur Kenntnis genommen, erklärte Jolanda Klaus von der BDP auf Anfrage. Der Regierungsrat will bis Mitte Mai auf Antrag des DBK über den oder die Standorte im Gäu entscheiden. (mz/fhe)