Fall Carlos
Thaibox-Trainer Beqiri: «Carlos ist überhaupt nicht gefährlich»

Thaibox-Trainer Shemsi Beqiri wehrt sich für seinen Schützling Carlos. Der wegen einer Messerstecherei und anderen Delikten verurteilte 17-Jährige sei «überhaupt nicht gefährlich», sagt er am TV.

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Shemsi Beqiri, der Thaibox-Trainer von Carlos.

Shemsi Beqiri, der Thaibox-Trainer von Carlos.

Screenshot SRF

Seit 13 Monaten war Thaibox-Schweizermeister Shemsi Beqiri der persönliche Trainer von Carlos. Jenen Carlos, der wegen seiner Rundumbetreuung für 29000 Franken landesweit für Schlagzeilen sorgte.

Beqiri versteht die Aufregung rund um den Fall Carlos nicht. «Ich sehe ihn als gewöhnlichen Jugendlichen wie jeden anderen», sagt der Thaibox-Trainer am Mittwochabend in der Sendung «Rundschau». «Er ist ein gläubiger Mensch, für mich etwas sehr Positives.»

«Ein Muskelpaket»

Beqiri wehrt sich in der Sendung auch gegen den Vorwurf, Carlos zu einer Killermaschine zu machen. «Das ist eine Meinung. Ob Carlos bei mir trainiert oder nicht, spielt keine Rolle. Carlos ist von Natur aus so stark gebaut, das hat mit Training wenig zu tun. Der junge Mann ist ein Muskelpaket.»

Carlos habe sich in den 13 Monaten, während der er bei ihm trainiert habe, positiv entwickelt. Er habe gelernt, das zu machen, was man ihm vorschreibe. «Er lernt bei mir viel Disziplin und Selbstbeherrschung. Er hat auch mit Rauchen und dem Drogenkonsum aufgehört», erklärt Beqiri.

Das habe sich gezeigt, als Carlos verhaftet wurde. Acht Polizisten waren letzte Woche angerückt. Doch statt wie erwartet dreinzuschlagen, verhielt sich Carlos laut Beqiri sehr ruhig.

In zwei Jahren eine Gipserlehre

Der Thaibox-Trainer ist sehr enttäuscht darüber, dass das Experiment nun gestoppt wurde. Er zeigt sich überzeugt, dass Carlos in zwei Jahren soweit gewesen wäre, eine Lehre als Gipser Stuckateur zu beginnen - Beqiri ist selbst gelernter Gipser Stuckateur.

Der Thaiboxer wehrt sich auch dagegen, selbst als Krimineller hingestellt zu werden. Beqiri war einst in eine Schlägerei verwickelt. Dabei sei es um Neid im Thaibox-Metier gegangen.

Habe es nicht für den Lohn gemacht

Er habe nicht zugeschlagen, sondern sich heftig gewehrt. Das war ein Fehler, wenn ich es ändern könnte, würde ich es ändern». Er sei auch nie verurteilt worden, sondern habe eine Busse bekommen – wegen Lärm mitten in der Stadt.

Das Traurige sei, dass das, was Carlos in den 13 Monaten gelernt habe, nun verloren gehe. Beqiri kriege ausserdem nicht 7000 Franken pro Monat, sondern «weniger als eine Reinigungskraft». «Ich habe es nicht für den Lohn gemacht. Mehr dafür, um den jungen Mann auf den richtigen Weg zu führen.» (rsn)