Justiz
Teure Therapien für Täter: Strafvollzug kostet fast eine Milliarde pro Jahr

Die Kosten für den Strafvollzug sind stark angestiegen - in fünf Jahren um fast ein Viertel. Lagen die Kosten im Jahr 2005 noch bei 802 Millionen Franken, waren es fünf Jahre später bereits 993 Millionen Franken.

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Ein Vollzugsbeamter der Strafanstallt Pöschwies schliesst eine Zelle ab (Archiv)

Ein Vollzugsbeamter der Strafanstallt Pöschwies schliesst eine Zelle ab (Archiv)

Keystone

Dies schreibt der Bundesrat in einem am Mittwoch veröffentlichten, vom Parlament eingeforderten Bericht. Die Zahlen seien allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, denn für den Straf- und Massnahmenvollzug sind die Kantone zuständig. Entsprechend unterschiedlich werden die Daten erfasst.

Der Grund für den Kostenanstieg wurde nicht untersucht. "Eine Erklärung ist sicher, dass die Zahl der Inhaftierten mit psychischen Problemen zunimmt", sagte Walter Troxler, Chef des Fachbereichs Straf- und Massnahmenvollzug beim Bundesamt für Justiz, auf Anfrage. Das Phänomen sei nicht nur in der Schweiz zu beobachten. "Psychisch Kranke erfordern einen grösseren Betreuungsaufwand. Die Personalkosten machen einen grossen Teil der Kosten im Strafvollzug aus", so Troxler.

2010 kostete ein Tag in Untersuchungshaft 234 Franken, 34 Franken mehr als 2005. Die Kosten für einen Hafttag im Vollzug sind im gleichen Zeitraum um 58 Franken auf 390 Franken angestiegen.

Deutlich mehr therapeutische Massnahmen

Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2007 hat zudem die Zahl der therapeutischen Massnahmen im Strafvollzug deutlich zugenommen. Allein von 2010 bis 2011 ist die Zahl von 434 auf 561 angestiegen.

Die Betriebskosten für Einrichtungen in diesem Bereich haben sich seit 2007 mehr als verdoppelt. 2011 waren es 93 Millionen Franken, 2007 erst rund 44 Millionen Franken. "Die markante Kostensteigerung steht in einem direkten Zusammenhang mit der Steigerung der Anzahl stationären Massnahmen", heisst es im Bericht des Bundesrates.

Kein Grund für die steigenden Kosten ist laut Troxler hingegen die Anzahl der Häftlinge. "Die Zahlen sind in den letzten drei Jahren leicht angestiegen, aber auf hohem Niveau relativ stabil", sagte Troxler. Jährlich sind rund 6200 Personen in Haft.

Insgesamt gab es in der Schweiz im letzten Jahr 109 Hafteinrichtungen mit 6978 Plätzen. Die Belegungsrate lag bei 94,6 Prozent, der Frauenanteil bei 4,9 Prozent.