Teste, was du werden willst

Zu viele Lehrabbrüche und Fehlbesetzungen. Mit einem neuen Test in der 8. Klasse wollen Gewerbe und Lehrer Defizite von Jugendlichen frühzeitig aufdecken.

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Schüler in der EU lernen häufig zwei Fremdsprachen (Archiv)

Schüler in der EU lernen häufig zwei Fremdsprachen (Archiv)

Keystone

Der Schweizerische Gewerbeverband kritisiert das Bildungsniveau in der Schweiz. «Aus Sicht der Lehrbetriebe sind immer weniger Schulabgänger in der Lage, eine berufliche Grundbildung erfolgreich abzuschliessen», sagt Direktor Hans-Ulrich Bigler gegenüber der Zeitung «Sonntag». Jede fünfte vorhandene Lehrstelle könne deshalb nicht besetzt werden. Ein landesweit durchgeführter Test soll nun helfen, das zu ändern. Eine Gruppe mit Vertretern des Gewerbes, der Lehrer, Berufsberater und weiterer Bildungsfachleute arbeitet zurzeit im Auftrag der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren die Details aus. Vorgesehen ist, dass ab Ende dieses Jahres die Schüler aller 8. Klassen in der ganzen Schweiz einen Online-Test ablegen. Getestet werden Wissen, Arbeitsmethodik und Sozialkompetenzen. Die Schüler erhalten sofort eine Auswertung, für welchen der 240 verfügbaren Lehrberufe sie geeignet sind und welche Defizite sie haben. Die verbleibende Schulzeit soll dann genutzt werden, um die Jugendlichen im Hinblick auf ihren Wunschberuf individuell zu fördern. Die Lehrerschaft steht hinter dem Wirtschafts-Check: «Dem Schüler wird die Berufswahl erleichtert, und der Lehrmeister sieht, ob der Schüler geeignet ist», sagt Armin Stutz, Präsident des Lehrerverbandes der Sekundarstufe I. «Bewerbungen für den falschen Beruf und Lehrabbrüche können so verhindert werden.» Sympathien zeigt auch Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung. «Ich erhoffe mir davon, dass jene Jugendlichen schneller in den Lehrstellenmarkt integriert werden, die heute Probleme haben, sich zu orientieren.» Ob der Bund das Projekt finanziell unterstützt, ist noch offen. Ungeklärt ist ferner, ob der Test von der Erziehungsdirektoren-Konferenz für obligatorisch erklärt wird.