Corona-Virus

Tessiner Spitäler stecken Verdachtsfälle in Quarantäne

Lega-Regierungsrat Norman Gobbi hat wenig Handlungsspielraum.

Lega-Regierungsrat Norman Gobbi hat wenig Handlungsspielraum.

Italien hat mehrere Todesfälle wegen des Coronavirus zu verzeichnen. Deswegen ergreifen Tessiner Behörden Vorsichtsmassnahmen.

Die Ausbreitung des Corona-Virus in Norditalien verunsichert die Bevölkerung in der Südschweiz – am Montag tagt der Krisenstab.

Angesicht der ersten drei Todesfälle in Norditalien und der einschneidenden Massnahmen der italienischen Regierung geht im Tessin die Angst vor dem Coronavirus um. Denn der Südkanton ragt sozusagen in die Lombardei hinein. Chiasso befindet sich nur 40 Kilometer von Mailand entfernt. Die drastischen Massnahmen in Italien, die von Schulschliessungen über die Quarantäne ganzer Dörfer bis zur Absage von Fussballspielen und Theateraufführungen reichen, fanden grosses Echo in den Tessiner Sonntagszeitungen und auf den Online-Portalen.

«Die ganze Angelegenheit ist grösser, als es anfänglich schien», räumte am Sonntag der Tessiner Kantonsarzt Giorgio Merlani ein. Gleichwohl rief er zu Besonnenheit auf. Man beurteile die Situation laufend in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit. In einer Medienmitteilung hielt der Kantonsarzt dann fest, dass es bisher keine Verdachtsfälle auf das Coronavirus im Tessin gebe.

Wer Atembeschwerden hat, muss isoliert werden

Zugleich erklärte das kantonale Gesundheitsdepartement, dass sich die zuständigen Stellen angesichts der Entwicklung in Italien auf mögliche Infektionen vorbereiteten. Wenn Personen akute Atembeschwerden oder ähnliche Symptome aufwiesen, würden diese ab sofort als Verdachtsfälle gewertet. Dies gelte auch für den Fall, dass keine epidemiologischen Kriterien erfüllt seien, etwa eine Reise nach China oder ein Kontakt mit einer infizierten Person innerhalb der letzten 14 Tage. Die Spitäler im Tessin müssen nun Patienten mit solchen Symptomen isolieren und in Quarantäne nehmen. Eingetreten ist dieser Fall bis Sonntagabend nicht. Heute wird die erweiterte Koordinationsgruppe tagen, um allfällige weitere Massnahmen zu beschliessen. Der Kantonsarzt rief dazu auf, im Fall von Beschwerden sich nicht persönlich zu Spitälern zu begeben, sondern sich per Telefon mit dem Hausarzt oder der Notzentrale in Verbindung zu setzen.

Dezidierter als der Kantonsarzt sind bereits einige Politiker an die Öffentlichkeit getreten. Lega-Nationalrat Lorenzo Quadri forderte in der Zeitung «Il Mattino della Domenica», die Grenzen zu schliessen. Gemäss Quadri stellen vor allem die 68 000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger eine Gefahr dar, da sie täglich von den italienischen Grenzregionen zur Arbeit ins Tessin pendeln. Durch eine Zugangssperre könne «das Risiko einer Pandemie im Tessin deutlich reduziert werden». Dieser Forderung hat das Bundesamt in Bern am Sonntag schon eine Absage erteilt.

Schulen sind geschlossen – aber nicht wegen des Virus

Nichts unternehmen kann zurzeit der Tessiner Sicherheitsdirektor Norman Gobbi. «Im Moment reden nur die Gesundheitsverantwortlichen, bei uns der Kantonsarzt», sagt der Regierungsrat auf Anfrage. Gobbi gehört wie Quadri der Lega an. «Massnahmen werden - wenn nötig - ergriffen nach einem Antrag des kantonalen Führungsstabs an die Regierung.» SVP-Grossrat Tiziano Galeazzi hat eine Interpellation an den Staatsrat eingereicht, in der er die Frage aufwirft, ob es möglich sei, Grenzgänger an den Landesgrenzen mit Temperatur-Scannern zu prüfen. Auch die SP setzt die Regierung mit einem Vorstoss unter Druck.

In Mailand wurden Schulen sowie Universitäten geschlossen. Eine ähnliche Massnahme ist im Tessin nicht nötig. Denn seit Samstag sind im Tessin Karnevalsferien und die Schulen sowieso geschlossen. Der Unterricht wird erst wieder am 2. März aufgenommen. Auch der Karneval geht seinen Gang. Der grosse Rabadan-Umzug in Bellinzona fand am Sonntag wie geplant statt.

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