Der Sonderzug um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter (FDP) nimmt demnächst Fahrt auf. Zwar ist noch keine der möglichen Kandidatinnen und keiner der Kandidaten zugestiegen, aber immer mehr überlegen sich, es zu tun.

So auch der Genfer Sicherheits- und Wirtschaftsminister Pierre Maudet. Er ist zwar erst 39 Jahre alt, aber bereits seit mindestens zehn Jahren im Gespräch als künftiger Bundesrat.

Bei einem Anlass mit Mitarbeitern machte der Regierungsrat am Mittwoch klar: Er sei dabei, die Situation zu prüfen. Will heissen, Maudet überlegt sich eine Kandidatur für die Bundesratsersatzwahl vom 20. September.

Didier Burkhalters Jahre als Bundesrat - ein Rückblick

Didier Burkhalters Jahre als Bundesrat - ein Rückblick

Acht Jahre lang half der Neuenburger FDP-Politiker, die Geschicke des Landes führen, zuerst als Vorsteher des Innendepartements, später als Aussenminister. Bilder seiner Laufbahn im Video.

Politisches Naturtalent

Maudet, Vater von drei Kindern, gilt als politisches Naturtalent. Nicht wenige Romands sehen sich an Emmanuel Macron erinnert. Der Jurist ist forsch und ambitioniert. Er hat eine klare und harte Linie etwa in Sicherheitsfragen. Er sucht immer neue Wege. So plädierte der Hauptmann der Rettungstruppen schon vor Jahren für die Abschaffung des «Obligatorischen». Der «Leerlauf» sei untauglich für die Ausbildung, verärgere nur die Soldaten.

Maudet galt schon 2009, als es um die Ersatzwahl für den zurückgetretenen Pascal Couchepin ging, als möglicher Nachfolger. Auch die damalige Ersatzwahl, bei der dann Burkhalter gewählt wurde, fand Mitte September statt. Maudet nahm sich im Unterschied zu heute schon vor den Sommerferien aus dem Rennen. «Ich bin nicht Kandidat», gab er am 25. Juni bekannt. «Es ist nicht der richtige Moment», sagte er der Zeitung «Le Temps».

Aushängeschild der Kantonsregierung

Ob es jetzt der richtige Moment ist, wird sich zeigen. Maudet lotet zweifellos seine Chancen aus. Er hat an Profil und Erfahrung gewonnen, ist vom Stadtpräsidenten zum Aushängeschild der Kantonsregierung geworden. Aber als Nichtmitglied des Bundesparlaments ist er nach wie vor im Nachteil. Und der Anspruch der Romands ist diesmal umstrittener als 2009: Das Tessin drängt auf einen Sitz im Bundesrat, und vor allem mit FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis (56) hat es einen in Bern gut verankerten möglichen Kandidaten.

«Die Chance für das Tessin, wieder in den Bundesrat zu kommen, waren seit 1999, als Flavio Cotti zurücktrat, nie mehr so gross wie heute», sagt etwa der Aargauer FDP-Nationalrat Thierry Burkart.

Cassis gilt als Kronfavorit. Aber auch eine Tessiner Frauenkandidatur ist nicht ausgeschlossen: Die ehemalige Nationalrätin und Regierungsrätin Laura Sadis (56) ist wie Cassis noch am Überlegen, ob sie antreten will.

Es scheint klar, dass die FDP ein Zweierticket präsentieren wird. Mit einer Kandidatur aus dem Tessin und einer aus der Romandie. Diese wird alles daransetzen, den traditionellen welschen FDP-Sitz zu halten. Die besten Aussichten auf den Westschweizer Ticketplatz scheint Nationalrätin Isabelle Moret (46) zu haben. Auch sie hat sich noch nicht entschieden.

Lüscher will wieder

Ambitionen angekündigt hat auch einer, der schon bei der Couchepin-Nachfolge im Schlussgang stand: Der Genfer Nationalrat Christian Lüscher (53). Am Westschweizer Radio sagte der umtriebige Wirtschaftsanwalt, der Oligarchen wie den Kasachen Viktor Khrapunov zu seinen Kunden zählt, er überlege sich eine erneute Kandidatur.