Burkhalter-Nachfolge
Tessiner FDP-Chef: «Wir können auf Levrats Ratschläge verzichten»

Im Beisein von Cassis sagt Tessiner FDP am Dienstag, wen sie für die Burkhalter-Nachfolge ins Rennen schickt.

Henry Habegger
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Christian Vitta.

Christian Vitta.

KEYSTONE

Es ist so weit: Der Präsidialausschuss der Tessiner FDP hat entschieden, mit wem er in das Rennen um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter steigen will. Am Dienstag um 11 Uhr wird Präsident Bixio Caprara vor den Medien bei Bellinzona den Schleier lüften.

Aller Augen richten sich auf Ignazio Cassis (56). Auf Anfrage verweist der Fraktionschef der FDP Schweiz freundlich, aber bestimmt auf die Pressekonferenz vom Dienstag: «Ich werde da gerne Ihre Fragen beantworten. Bis dann habe ich mit der Partei vereinbart, dass ich keine Information geben darf.»

Im Rennen sind neben Cassis zumindest auch der Tessiner Finanzdirektor Christian Vitta (44) und die ehemalige Regierungs- und Nationalrätin Laura Sadis (56).

Tessiner Schnellzugstempo

Nicht gesprächiger, wenn es um Namen geht, ist Bixio Caprara (52), der Präsident der Tessiner Freisinnigen. Er hält aber fest, die Partei werde vor allem zwei Fragen beantworten: «Gehen wir mit einem oder mehreren Kandidaten ins Rennen?» Und: «Mit wem?» Die Parteispitze werde am Dienstag ihre Anträge präsentieren. Das letzte Wort hat aber am 1. August die Delegiertenversammlung der Tessiner FDP.

Bei der Nachfolgewahl für den Neuenburger Didier Burkhalter wird ein Zweikampf zwischen dem Tessin und der Romandie erwartet. Die Tessiner sind vergleichsweise schnell unterwegs. Bei den FDP-Sektionen aus der Romandie, beispielsweise Waadt und Genf, laufen die Anmeldefristen für Kandidaturen bis Anfang August, also bis nach den Sommerferien.

«Wir sind schneller, wir sind Tessiner», lacht Caprara. Dieses rasante Tempo sei Ausdruck des «Tessiner Esprit». Ein Esprit, von dem man in Bern gerne mehr sehen würde. Der Bundesrat könnte bei seinen Entscheidungen ruhig ein höheres Tempo anschlagen, gibt der selbstbewusste Tessiner FDP-Präsident zu verstehen.

Aber er weiss auch: «Man wird uns keine Geschenke machen bei der Bundesratswahl.» Er rechnet damit, dass auch die Kantone der Romandie mit gewichtigen Kandidatinnen oder Kandidaten ins Rennen steigen.

Heftige Replik auf Levrat

Caprara zeigt sich schon mal von der kämpferischen Seite. Schlecht angekommen ist die Forderung von SP-Chef Christian Levrat, der in der «NZZ am Sonntag» an die Adresse der FDP sagte: «Will sie wirklich jemanden aus dem Tessin, muss sie mit zwei Tessinern antreten. Und wenn sie eine Frau im Bundesrat will, dann muss sie zwei Frauen auf einem Ticket präsentieren.» Dazu sagt Caprara: «Herr Levrat ist plötzlich sehr daran interessiert, was im Tessin passiert.» Dabei sei der SP-Chef in seiner eigenen Partei bisher nicht als Förderer einer Tessiner (Frauen-)Kandidatur aufgefallen. 2011, als es um die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey ging, habe Marina Carobbio nicht auf Levrats Unterstützung zählen können. «Wir können auf die Ratschläge von Christian Levrat verzichten!», macht Caprara klar.

Der Verdacht der Tessiner ist naheliegend: Dass Romands wie Levrat einen Westschweizer Kandidaten oder eine Westschweizer Kandidatin in Stellung bringen wollen. Was mitspielen mag: Der Tessiner Favorit Ignazio Cassis hatte im letzten Frühling im Zusammenhang mit der Altersreform einen heftigen Zusammenstoss mit dem SP-Chef.

Derby Kassen gegen Spitäler?

Die Westschweizer Kandidatin, mit der es die Tessiner im September zu tun bekommen könnten, heisst Isabelle Moret. Die FDP-Nationalrätin will sich bis Ende Juli entscheiden, ob sie ins Rennen steigt, wie sie auf Anfrage sagt. Pikant: Sie ist Präsidentin der Spitalvereinigung H+. Es könnte also zu einem Duell der Gesundheitslobbyisten kommen, denn Cassis präsidiert den Krankenkassenverband Curafutura. «Curafutura gegen H+, das wäre doch ein Derby!», lacht der Präsident der Tessiner FDP.