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Terroristen drohen mit Anschlägen auf Fussball-WM

Erstmals drohen Islamisten öffentlich mit einem Anschlag auf die Fussball-WM in Südafrika. Im Visier ist das Spiel USA gegen England am 12. Juni.

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Angst vor Terror an der WM

Angst vor Terror an der WM

Christian Nünlist

«Eine Kaida-Gruppe kündigt Anschläge auf die Fussball-Weltmeisterschaft an» – mit dieser und ähnlichen Schlagzeilen erinnerten diese Woche zahlreiche Internetblogs und internationale Medien daran, dass im Juni
in Südafrika die Fussball-WM stattfindet.

Der US-Sender CBS schilderte das Bedrohungsszenario besonders konkret. Unter Berufung auf die Dschihadisten-Website «Mushtaqun Lel Jannah» («Sehnsucht nach dem Paradies») warnte CBS, die Kaida des Islamischen Maghreb (AQIM) werde einen Terroranschlag während des Spiels USA gegen England am 12. Juni durchführen. «Es wäre toll, wenn es mitten in der Live-Übertragung des Spiels im voll besetzten Stadion eine Explosion geben würde. Das ganze Stadion wird zusammenstürzen und die Anzahl der Toten wird in die Hunderte gehen, so Allah will», zitiert CBS die Kaida.

Auch die Mannschaften von Frankreich, Deutschland und Italien seien im Visier der Islamisten. «Alle diese Länder nehmen an dem zionistischen Kreuzzug gegen den Islam teil», begründeten die Dschihadisten. Sie verhöhnten auch den Fifa-Chef Joseph Blatter – den sie allerdings fälschlicherweise als «Mr. Platter» bezeichneten –, indem sie darauf hinwiesen, dass sie einen Sprengstoff zur Verfügung hätten, der unentdeckt durch alle Sicherheits-Checkpoints an dem Turnier in die Stadien geschmuggelt werden könne.

Es ist das erste Mal, dass die AQIM mit einem Terroranschlag auf die Fussball-WM in Südafrika droht. Bereits im letzten Oktober haben die südafrikanischen Sicherheitskräfte ein islamistisches Komplott gegen das Turnier aufgedeckt und gestoppt. Damals verhafteten südafrikanische Polizisten, Geheimdienstler und US-Agenten einige Terroristen in Somalia und Mosambik, die an der WM Bombenanschläge durchführen wollten.

Wunschtraum afrikanischer Islamisten

Bei der aktuellen Kaida-Drohung haben CBS und die anderen Medien, welche die Geschichte aufgenommen haben, aber nicht seriös genug recherchiert. Denn der entsprechende Internetartikel wurde bereits im Februar auf Mushtaqun Lel Jannah publiziert, wie Yassin Muscharbasch in seinem Kaida-Blog auf www.spiegel.de berichtet. Demnach stammt die Drohung auch nicht von der Kaida des Islamischen Maghreb (AQIM), sondern von der Medienbrigade al-Sumud, einer Sympathisantengruppe der Kaida. Bei der angeblichen «Terrorwarnung» der Kaida handelt es sich also nicht um die offizielle Ankündigung eines Anschlags durch die nordafrikanische Kaida, sondern vielmehr um einen schriftlich fixierten Wunschtraum einiger afrikanischer Dschihadisten.

Internationale Terrorexperten glauben auch nicht, dass AQIM tatsächlich an der Fussball-WM in Südafrika ein Blutbad anrichten können. Eine Attacke während der WM würde die Kaida-Gruppe vor immense logistische Probleme stellen. Die Analysten von Stratfor, einem privaten US-Nachrichtendienst, verweisen beispielsweise darauf, dass AQIM ihre Zentrale in Nordalgerien habe und noch niemals auch nur annähernd in der Nähe Südafrikas operiert habe, auch wenn sie in der Vergangenheit mithilfe lokaler Helfer einige amateurhafte Terroranschläge in Mauretanien, Mali und Niger durchgeführt habe.

Den Dschihadisten von al-Sumud ist mit ihrem Pamphlet trotzdem bereits ein erster Erfolg gelungen: Denn der Terrorismus lebt nicht nur von tatsächlich durchgeführten Bombenanschlägen, sondern auch von der blossen Angst davor.

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