Terrassenstreit
Ab Freitag sind die Terrassen zu: Die Bündner lenken nach dem nächsten Machtwort aus Bern ein

Der Bundesrat bleibt im Terrassenstreit hart. Der Kanton Graubünden kritisiert die Regierung zwar, schliesst aber seine Terrassen. Was machen die Innerschweizer Kantone?

Dominic Wirth
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Wie lange bleiben die Terrasse im Skigebiet Brunni oberhalb von Engelberg im Kanton Obwalden noch offen?

Wie lange bleiben die Terrasse im Skigebiet Brunni oberhalb von Engelberg im Kanton Obwalden noch offen?

Urs Flueeler / KEYSTONE

Lange hatten sie sich standhaft gezeigt. Doch nun geben die Bündner im Streit um die Sonnenterrassen nach. Am Freitag müssen die Restaurants und Hütten in den Skigebieten ihre Terrassen räumen. Dies teilte der Kanton am Mittwochabend mit.

Zuvor hatte der Bundesrat klar gemacht, dass er im seit Wochen schwelenden Streit mit Graubünden und mehreren Innerschweizer Kantonen nicht nachgeben wird. Er beschloss, dass auch die Restaurantterrassen bis mindestens am 22. März geschlossen bleiben müssen. Die Regierung tat das gegen den Willen einer knappen Mehrheit der Kantone, die sich für eine schnellere Öffnung ausgesprochen hatten.

Die elegante Lösung im Terrassenstreit war damit vom Tisch, jene nämlich, dass der Bund das Vorgehen der Kantone quasi nachträglich legalisiert. An der Medienkonferenz betonte Gesundheitsminister Alain Berset, er gehe davon aus, dass sämtliche «Interpretationsprobleme» ausgeräumt seien - und die Kantone die Terrassen nun schliessen werden.

Graubünden reagierte rasch. In einer Stellungnahme geizt die Regierung allerdings nicht mit Kritik am Bundesrat. So schreibt sie, dass sie die Entscheide des Bundesrats im Bereich der Gastronomie «überrascht und befremdet». Es sei schade und unverständlich, dass eine Massnahme ohne erkennbaren Effekt auf die epidemiologische Lage durchgesetzt werde. Gleichzeitig hält die Bündner Regierung fest, dass sie sich an die rechtsstaatlichen Regeln halte.

Was machen nun die Innerschweizer?

Mit Graubünden schliesst jener Kanton seine Terrassen, der diese als erster geöffnet hatte und damit auch zu einem Vorbild für andere Bergkantone wurde. Namentlich in der Innerschweiz orientierte man sich am Bündner Modell. Nun wächst der Druck auf die Kantone Nid- und Obwalden, Uri und Schwyz. Diese äusserten sich gestern noch nicht zu den Beschlüssen aus Bern.

Anders Hans Wicki, FDP-Ständerat aus dem Kanton Nidwalden, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis und Präsident von Seilbahnen Schweiz. Wicki kritisiert den Bundesrat für sein Vorgehen. Die geöffneten Terrassen hätten für Ordnung und Sicherheit gesorgt. «Ich verstehe nicht, warum er diese vernünftige Praxis in den Ski-Kantonen nicht erlauben will», sagt Wicki.

Gleichzeitig appelliert der Ständerat an die Regierungen in den Innerschweizer Kantonen, nun standhaft zu bleiben - obwohl der Kanton Graubünden nachgegeben hat. «Ich erwarte, dass sie die Terrassen offen lassen», sagt Wicki. Als rechtliche Grundlage verweist er darauf, dass die Kantone den Betrieb in den Skigebieten bewilligen müssten - und folglich auch für die Terrassen zuständig seien. Das wiederum sieht der Bund anders.