Fabian Hägler

Tempo 30 ist langsam - dies gilt nicht nur für Automobilisten, sondern übertragen auch für die Gemeinde Wohlen. Auswärtige oder Neuzuzüger sind immer wieder überrascht, wenn sie erfahren, dass Wohlen heute noch keine einzige Tempo-30-Zone aufweist. Das soll sich zwar ändern, wenn es nach dem Gemeinderat geht. Doch das Thema ist umstritten und bietet sich als Angriffspunkt für die Wohler Opposition geradezu an, wie sich kürzlich zeigte.

«Das Begehren für Tempo 30 wurde von verschiedenen politischen Kräften wiederholt vorgebracht», sagte Gemeindeammann Walter Dubler, als er Mitte August die Eckwerte der künftigen Verkehrsplanung für Wohlen präsentierte. Bauverwalter Marcel Wegmann unterstützte aus fachlicher Sicht: «Bei allen Gesprächen mit den Verkehrsexperten kam eindeutig zum Ausdruck: Tempo 30 ist in Wohlen sinnvoll.»

Verkehr in den Quartieren beruhigen

Der Gemeinderat nahm dies zum Anlass, im neuen Tätigkeitsprogramm das Ziel zu formulieren: «Bis 2011 ist in einem ersten Quartier Tempo 30 eingeführt.» Später sollen weitere folgen, mit der Absicht, den Verkehr in den Quartieren zu beruhigen. Auch im Masterplan für das Ortszentrum und in den Eckwerten des Verkehrsrichtplans, die am Montag im Einwohnerrat behandelt wurden, ist das Ziel enthalten.

Noch ist der neue Verkehrsrichtplan nicht fertig, geschweige denn entschieden, welches Quartier die erste Wohler Tempo-30-Zone erhalten soll. Dennoch bringt sich die Opposition bereits jetzt in Stellung und macht ihre ablehnende Haltung deutlich.

SVP macht mobil gegen Tempo 30

Vorsorglich verbreitete die SVP-Fraktion eine Medienmitteilung und betonte, man sei mit den Plänen des Gemeinderats überhaupt nicht einverstanden. Die Wohler Volkspartei lehnt «die flächendeckende Einführung von Tempo 30 ab», war dort zu lesen. Und weiter: «Der Gemeinderat will Tempo 30 durchstieren, obwohl sich das Volk kürzlich erst klar gegen eine Tempo-30-Zone ausgesprochen hat.»

Damit spielt die SVP auf die Abstimmung vom Juni 2005 an, als in Wohlen eine Tempo-30-Zone im Quartier Farnbühl mit 2456 Nein- zu 1595 Ja-Stimmen abgelehnt wurde. Damals sagte Gemeindeammann Walter Dubler: «Die von Bewohnerinnen und Bewohnern geforderte Tempo-30-Zone fand vor dem Volk keine Gnade. Es hat damit einen wichtigen Grundsatzentscheid gefällt.» Im Vorfeld schon hatte der Gemeinderat erklärt, der Ausgang der Abstimmung werde darüber entscheiden, ob in den kommenden Jahren für weitere Quartiere in der Gemeinde Tempo-30-Zonen geplant und realisiert werden sollen. Dubler sagte 2005 denn auch: «Nach dem deutlichen Abstimmungsresultat sieht der Gemeinderat von sich aus keinen Handlungsbedarf mehr.»

Anstoss durch Eusi Lüüt & Grüne

Heute, vier Jahre später, tönt es aus dem Gemeindehaus anders. «Das war
sicher kein Entscheid für die Ewigkeit», betonte Dubler im August. Ein möglicher Grund für den Gesinnungswandel im Gemeinderat: die Motion von Eusi Lüüt & Grüne (heute: Grüne Wohlen), die vor zwei Jahren überwiesen wurde.

Der politische Vorstoss verlangte, dass der Gemeinderat nach dem Farnbühl-Nein weitere Tempo-30-Zonen in anderen Quartieren projektiert. Allerdings zeigt schon das Stimmenverhältnis im Einwohnerrat, wie umstritten Tempo 30 in Wohlen weiterhin ist: 19 Ja gegen 15 Nein hiess das Resultat.

Doch auch mit Tempo 30 erreicht man irgendwann sein Ziel - vielleicht nicht ganz gleich schnell wie andere, aber dafür umso sicherer.