Viele Männer würden gerne Teilzeit arbeiten, stossen aber bei ihrem Chef auf taube Ohren oder wollen überhaupt nicht erst auf Konfrontationskurs gehen. Laut Umfragen würden neun von zehn Männern gerne reduzieren. Der Bundesrat möchte nun diesem Problem Abhilfe schaffen. Voraussichtlich diese Woche diskutiert der Bundesrat über eine schweizweite Ausdehnung einer Verordnung, die bislang nur für die Angestellten der Bundesverwaltung galt. Diese räumt den Angestellten bei Familienzuwachs (über Geburt oder Adoption) einen Rechtsanspruch auf maximal 20 Prozent Reduktion des Beschäftigungsgrads ein – ohne Zustimmung des Arbeitgebers. Einzige Bedingung: Das Pensum darf nicht unter 60 Prozent fallen.

Über das Thema wird seit Jahren gestritten. Von vielen Seiten wird behauptet, dass der Wunsch der Männer nach Teilzeitarbeit gar nicht so stark verbreitet sei und die verschiedenen deutlichen Umfragewerte nur auf den sozialen Druck zurückzuführen seien. Jetzt aber liegen der «Nordwestschweiz» konkrete Zahlen vor. Im Juli 2013 lancierte das Eidgenössische Personalamt (EPA) ein internes Monitoring über die Reduktionsansprüche bei Familienzuwachs in den verschiedenen Departementen.

Die «Nordwestschweiz» erhielt dank des Öffentlichkeitsprinzips Einblick in die Auswertung bis Ende Dezember 2014. In den tieferen Lohnklassen haben minimal mehr Männer um zehn Prozent reduziert als Frauen. Weitaus interessanter ist aber, dass vor allem in den höheren Lohnklassen deutlich mehr Männer zehn oder zwanzig Prozent reduziert haben als Frauen und somit Gebrauch gemacht haben von der einseitigen Einforderung. Diese Erkenntnis könnte der schweizweiten Ausdehnung durchaus Schub verleihen.

In der ganzen Schweiz können sich Väter auf längere Ferien nach der Geburt freuen. Aber nicht alle Männer sind mit der neuen Regelung einverstanden.

In der ganzen Schweiz können sich Väter auf längere Ferien nach der Geburt freuen. Aber nicht alle Männer sind mit der neuen Regelung einverstanden.

Sommaruga als treibende Kraft

Auf Anfrage beim zuständigen Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) heisst es, dass der Bundesrat noch vor der Sommerpause über einen Bericht zur Familienpolitik diskutiert. «Darin wird eine Vielzahl von theoretisch denkbaren familienpolitischen Massnahmen dargestellt und deren Vor- und Nachteile dargelegt. Darunter wird sich auch das Modell Pensenreduktion befinden», schreibt das BSV. Auf dieser Grundlage werde der Bundesrat allfällige familienpolitische Entscheide fällen können.

Bereits im Oktober 2013 hatte der Gesamtbundesrat das Departement des Innern von Bundesrat Alain Berset beauftragt, eine schweizweite Umsetzung der Bundespersonalregelung zu überprüfen. Treibende Kraft im Bundesrat war und ist offenbar immer noch SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements.

Dementsprechend wird das Vorhaben auch von ihren Parteikollegen begrüsst. «Eine solche Regelung würde ich auf jeden Fall unterstützen. Dies würde die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt weiter fördern», sagt Yvonne Feri, Aargauer SP-Nationalrätin und Präsidentin SP Frauen. Bereits in der Frühlingssession habe sie im Kreis ihrer Parteikollegen über eine Ausweitung der Bundespersonalregelung diskutiert.

Gerade der Fachkräftemangel sei ein Argument für eine Umstellung. «Wir müssen schauen, dass wir unsere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz Familienzuwachs im Arbeitsmarkt behalten», sagt Feri. Angesichts der Auswirkungen der Zuwanderungsinitiative brauche die Schweiz gute Arbeitskräfte. «Die Frauen können wir nur besser in den Arbeitsmarkt integrieren, wenn wir für die Männer Teilzeitstellen schaffen», so Feri. Für die Arbeitgeber hiesse das einfach, dass sie sich anders organisieren müssten.

Kontra Vaterschaftsurlaub: Der werdende Vater und SVP-Grossrat Benjamin Giezendanner ist gegen die aufgezwungenen Ferien.

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Skepsis beim Gewerbeverband

Skepsis herrscht hingegen beim Schweizerischen Gewerbeverband (SGV). «Die einseitige Einforderung einer Reduktion um 20 Prozent ist grundsätzlich ein Eingriff in den liberalen Arbeitsmarkt», sagt SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler. Es käme letztlich einem Vaterschaftsurlaub gleich und einen solchen lehne der SGV ab. Das einseitige Einfordern könne gerade für KMU «einschneidende organisatorische Folgen» haben. «Der SGV lehnt solche Automatismen ab. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen Arbeitszeitreduktionen bei der Geburt von Kindern individuell aushandeln und vereinbaren können», sagt Bigler.