Herr Seiler, im Nationalpark sterben Tausende Fische. Was löst das beim obersten Fischer der Nation aus?

Roland Seiler: Das ist eine Katastrophe. Ausgerechnet im Nationalpark erleben wir ein ökologisches Drama. Ein Massensterben dieses Ausmasses haben wir in der Schweiz seit langem nicht mehr gesehen. Das Unglück zeigt uns auch, wie schwierig es ist, Technik und Natur zu vereinbaren.

Wie ist es denn möglich, dass alle Sicherheitseinrichtungen gleichzeitig versagten?

Ich kann den Vorfall im Engadin noch nicht im Detail beurteilen. Das ist jetzt die Aufgabe der zuständigen Behörden, den Vorgang genau abzuklären. Das Massensterben zeigt uns aber einmal mehr, dass die Kraftwerke dem Naturschutz grundsätzlich viel zu wenig Beachtung schenken. So etwas darf einfach nicht passieren.

Ein Problem war offenbar das plötzlich fehlende Restwasser.

Wir sind hier mit einem Problem konfrontiert, das wir in der ganzen Schweiz immer wieder beobachten können. Trotz klarer Vorschriften zur Restwassermenge gibt es immer noch viele Bäche und Flüsse, wo temporär kaum mehr Wasser fliesst. Das ist unhaltbar. Die Kantone müssen hier ihrer Pflicht, für ausreichend Restwasser zu sorgen, endlich nachkommen.

Die Engadiner Kraftwerke wollen den Schaden immerhin rasch «und unbürokratisch» beheben.

Was heisst denn da rasch? Dieser Schaden lässt sich nicht so schnell beheben. Es wird zehn oder gar fünfzehn Jahre dauern, bis sich das Ökosystem erholt hat. Der Bach ist auf mehreren Kilometern mit Schlamm bedeckt. Die Laichgründe sind damit zerstört. Für mich ist klar: Die Engadiner Kraftwerke müssen vollumfänglich für den finanziellen Schaden aufkommen.

Interview: Stefan Schmid