Die grösste Feier fand in Zürich statt. Dort nahmen rund 12'000 Personen am traditionellen Demonstrationszug teil. Angeführt wurde der Umzug in Zürich vom 1.-Mai-Komitee und dem Gewerkschaftsbund des Kantons Zürich (GBKZ) mit einem grossen Transparent mit dem diesjährigen GBKZ-Motto "Gesundheit vor Profit".

Die Gewerkschaften flankieren damit den Abstimmungskampf gegen die Privatisierungen von Kantonsspital Winterthur und der Integrierten Psychiatrie Winterthur, über die die Stimmberechtigten des Kantons Zürich am 21. Mai befinden werden.

Unter den Demonstranten befanden sich auch über 500 Anhänger des Schwarzen Blocks. Gemäss Stadtpolizei Zürich zündeten die zum Teil vermummten Personen Petarden und Knallkörper. Entlang der Umzugsroute kam es zudem zu mehreren Farbanschlägen und Sprayereien, darunter auf die Fassade des Rathauses am Limmatquai.

1. Mai-Umzug verlief weitgehend friedlich

Zürich - 1.5.17 - Bei nasskaltem Wetter haben laut offiziellen Angaben rund 12'000 Menschen am diesjährigen 1. Mai-Umzug durch die Zürcher Innenstadt teilgenommen. Neben den Gewerkschaften und den etablierten linken Parteien nahm eine Vielzahl von kleineren Gruppierungen teil, um ihre Anliegen auf die Strasse zu tragen, darunter viele Migranten-Vereine. Auch Anhänger des militanten Revolutionären Aufbaus, auch bekannt als "schwarzer Block" liefen im offiziellen Umzug mit. Trotz massiver Polizeipräsenz kam es zu kleineren Sachbeschädigungen wie Sprayereien und Farbbeutelattacken.

Gegen die Spitalprivatisierung

Auch GBKZ-Hauptredner Pierre-Yves Maillard äusserte sich bei der Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz zur Gesundheitspolitik. Privatinvestitionen und Spitalprivatisierungen sieht Maillard aber nicht als Lösungen für die Kostenkontrolle.

Dies hätten die Liberalisierungen von 2012 in der ambulanten Medizin und Spitalfinanzierung gezeigt - im Vergleich zu vor 2012 würden diese eine Erhöhung der Ausgaben von jährlich mehr als einem Prozent verursachen.

Maillard forderte in seiner Rede, dass "endlich die Krankenkasse reformiert" werde. Und zwar sollen die Risiken durch kantonale Ausgleichskassen genossenschaftlich verwaltet und das Parlament vom Einfluss der Privatversicherer befreit werden.

Der Waadtländer Staatsrat zeigte sich aber auch zuversichtlich: Er sei sich sicher, dass "unsere Ansätze konvergieren werden und wir diesen Kampf wie viele andere am Ende gewinnen".

1. Mai lockt in Bern Gewerkschafter auf die Strassen

Bern - 01.05.2017 - In Bern sind zum 1. Mai einige Dutzend Menschen auf die Strasse gegangen. Sie demonstrierten für eine gerechte Zukunft für alle. Gewerkschaften riefen zur Kundgebung auf.

Gefahren der Digitalisierung

Auch in Bern marschierten mehrere hundert Menschen von der Kramgasse zum Bundesplatz, um für die Arbeiterrechte einzustehen. Dort äusserte sich Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia.

Der Wert der Arbeit - ob bezahlt oder unbezahlt - sei dringend anzuerkennen, sagte die Unia-Präsidentin laut Redetext. Auch in der Schweiz gebe es zunehmend soziale Unsicherheit, extreme Ungleichheit und vermehrt Diskriminierungen, warnte sie. Verantwortlich für die Ursachen machte sie eine ihrer Ansicht nach falsche, bürgerliche Politik.

SP-Nationalrätin Evi Allemann doppelte nach: "Wenn ich die neue Steuerstrategie des Kantons Berns anschaue, habe ich den Eindruck, die bürgerliche Mehrheit verwechselt den Kanton mit einem Unternehmen."

Allemann erwähnte wie viele andere Redner auch die Gefahren der Digitalisierung. Wichtig sei, mit Bildung und einem starken sozialen Netz Verlierer zu vermeiden, sagte sie. Béatrice Stucki, Präsidentin des Gewerkschaftsbunds Stadt Bern und Umgebung, sagte, der Grosse Rat habe eine drastische Verschlechterung der Sozialhilfe-Leistungen beschlossen. Dieser Abbau müsse verhindert werden.

1.Mai-Umzug 2017 in der Stadt Solothurn

Fremdenfeindlichkeit und Verteilung

In Basel zogen rund 2000 Demonstrierenden mit Fahnen und Transparenten vom Messe- zum Barfüsserplatz. Angeführt war die Demonstration vom Revolutionären Bündnis. Dieses hatte im Vorfeld die Spitze des Zuges "beansprucht" und Kritik am "rot-grünen Establishment" geäussert.

Mit etwas Abstand folgten die Gewerkschaften und die linken Parteien als Organisatoren. Daneben marschierten etwa auch zahlreiche Immigrantengruppen mit. An der Kundgebung auf dem Barfüsserplatz sprachen unter anderen VPOD-Generalsekretär Stefan Giger und der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck. Letzterer prangerte etwa die bewusst geschürte Verunsicherung der Menschen an.

Für den Nachmittag hatte der Gewerkschaftsbund Baselland zusammen mit einem 1.-Maikomitee zur 1.-Mai-Feier in Liestal geladen. Diese lockte gegen 250 Teilnehmende auf den Zeughausplatz, wo unter anderen der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth eine Rede hielt. Themen darin waren Fremdenfeindlichkeit und die ungleiche Verteilung des Vermögens.

SP-Bundesrätin in Sitten

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat am Tag der Arbeit Arbeitnehmende auf dem Bau besucht. Sie fuhr am Montag nach Sitten und besichtigte die Baustelle des Campus Energypolis. Dabei sprach sie mit Bauarbeitern über deren Arbeitsbedingungen.

In der Schweiz seien fast zwei Drittel der Beschäftigten des Bauhauptgewerbes ausländische Staatsangehörige. Entsprechend war die Zuwanderung eines der Themen in den Gesprächen der Bundesrätin.

Dabei interessierte sich Sommaruga laut Mitteilung dafür, welche Möglichkeiten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausländischer Herkunft bestehen, Sprachkurse oder berufsbegleitende Ausbildungen zu besuchen. Ziel sei, diese langfristig in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Im Baugewerbe liege die Arbeitslosigkeit stets über dem Schweizer Durchschnitt. 2015 waren es im Baugewerbe 5,7 Prozent, über alle Branchen hinweg waren es 3,1 Prozent im Jahresschnitt.

SP-Bundesrat Alain Berset wird am Abend in Interlaken BE auftreten. Umrahmt wird Bersets Ansprache von Reden des Berner Regierungsrats Christoph Ammann und Urs Graf, SP-Grossrat und Interlakner Gemeindepräsident.

Liveticker: 1. Mai 2017