Matthias Scharrer

Auf 111 Millionen Franken ist der geplante Erweiterungsbau fürs Landesmuseum veranschlagt. Davon bezahlt der Bund 76 Millionen, 20 Millionen sind aus der Zürcher Kantonskasse eingeplant, 5 Millionen aus privater Hand. Den kleinsten öffentlichen Beitrag soll die Stadt Zürich leisten: Es geht um 10 Millionen Franken. Genauer: Land im Wert von 3,25 Millionen sowie einen Standortbeitrag von 6,75 Millionen Franken.

Anders als bisher auf Bundes- und Kantonsebene können nun erstmals die Stimmberechtigten mitreden. Der Grund: Ein bunt gemischtes Komitee, dem neben Heimatschützern, Vertretern der SP und der Grünen als prominentestes Mitglied auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli angehört, hat das Referendum gegen den städtischen Beitrag ergriffen.

«Ein Schildbürgerstreich»

Was die Gegner des Bauprojekts eint, ist primär die Sorge um den Platzspitz. Dem Neubau müsste nämlich ein Teil des Parks zwischen Sihl und Limmat weichen, der zum Hauptbahnhof hin vom Landesmuseum begrenzt ist. Die Stadt gäbe ein Stück Platzspitz und erhielte dafür mehr Museum.

Es geht um kein riesiges Stück Land: 1360 von insgesamt 36400 Quadratmetern Platzspitz-Fläche stehen zur Debatte. Doch Grünflächen als Erholungsraum in der City sind ein rares Gut. Und der Platzspitz mit dem Landesmuseum stellt ein seit dem Bau des Landesmuseums Ende des 19. Jahrhunderts unverändertes historisches Ensemble dar. «Einen modernen Betonriegel vor dieses Gebäude hinzuklotzen wäre ein Schildbürgerstreich, wie er nur in Zürich stattfinden kann», sagte Mörgeli gegenüber dieser Zeitung. Und warnte vor «gravierenden Eingriffen in den einzigen ausgedehnten Park, welcher der Bevölkerung im Stadtzentrum zur Verfügung steht». Sein Fazit: «Zu teuer, hässlich und unnötig.»

Baustile aus verschiedenen Epochen

Entworfen wurde der geplante Erweiterungsbau vom Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein vor nunmehr fast zehn Jahren. Schon bald, nachdem die jungen Architekten damit den international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewonnen hatten, wurden die nach wie vor virulenten Kritikpunkte vorgebracht. Christ & Gantenbein redimensionierten ihr Projekt daraufhin um rund ein Drittel.

Der Erweiterungsbau, wie er nun geplant ist, schliesst sich zum Park hin wie eine Brücke an das Stammhaus an, ohne es ganz zu verdecken. Er nimmt die Grundidee auf, die Architekt Gustav Gull schon vor gut hundert Jahren beim Bau des Landesmuseums verfolgte: Baustile aus verschiedenen Epochen werden aneinander gereiht. Gemeinsam bieten sie Raum für ein Haus der Schweizer Geschichte bis hin zur Gegenwart. Schon Gull sah den Park als Landreserve für eine mögliche Erweiterung des Museums an.

Diese soll dem Landesmuseum mehr Ausstellungsfläche bringen. Damit könnte es mehr von seinen stetig wachsenden Sammlungs-Beständen zeigen. Erstmals würden mit dem Erweiterungsbau auch Rundgänge ohne Sackgasse durch das Landesmuseum machbar. Zudem entstände ein modernes Studienzentrum mit Studienbibliothek sowie insgesamt mehr Platz für eine zeitgemässe Infrastruktur mit Auditorium, Restaurant und Museumsshop.

Dass das Landesmuseum wieder zunehmend gefragt ist, zeigt die Entwicklung der Besucherzahlen: Im Jahr 2007 wurden gut 100000 Eintritte verzeichnet, ein Jahr später 124000 und im Jahr 2009, nachdem im Sommer die Renovationsarbeiten im Altbau abgeschlossen waren, kamen gar 154000 Museumsgäste.

Auch kantonal ein Referendum?

Mit der Stadtzürcher Abstimmung vom 13. Juni ist indes nicht das letzte Wort über den Erweiterungsbau gesprochen: Aufgrund einer Stimmrechtsbeschwerde hat das Bundesgericht entschieden, dass der Zürcher Kantonsrat erneut über den kantonalen Beitrag abstimmen muss und dieser auch kantonal referendumsfähig wird. Die Unterschriftensammlung für ein kantonales Referendum gegen das Bauprojekt ist bereits im Gang. Gemäss momentaner Planung soll der Erweiterungsbau 2012 in Angriff genommen und 2017 eröffnet werden.