Die im Kanton Graubünden abgestürzte Maschine war eine Junkers Ju-52 des Baujahrs 1939 der auf Rundflüge spezialisierten Firma Ju-Air. Das Oldtimer-Flugzeug hat Platz für 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder. Sie alle könnten ums Leben gekommen sein. Die Kantonspolizei Graubünden hat am Sonntagmorgen per Twitter bestätigt, dass es sich bei der Unglücksmaschine um die JU52 HB-HOT der JU-AIR handelt. 

Ju-Air ist ein Verein von Freunden der schweizerischen Luftwaffe (VFL), der 1981 die drei ausgemusterten Maschinen übernommen hatte. Die Maschinen der Ju-Air werden oft für Alpen-Rundflüge gebucht. Sie starten vom Militärflugplatz Dübendorf. Die Fluggesellschaft teilte am Samstag mit: «Wir haben die traurige Pflicht, mitzuteilen, dass eines unserer Flugzeuge Ju-52 heute, 4. 8. 2018, verunfallt ist.» 

Die Kantonspolizei Graubünden meldete am Samstag lediglich einen Absturz an der Westflanke des Berges Piz Segnas, auf etwa 2540 Metern Höhe. Die Polizei verhängte am Samstag über der Absturzstelle eine Luftraumsperre. Drei zivile Helikopter, zwei Rega-Helikopter und ein Grossaufgebot an Rettungskräften standen am Abend im Einsatz. Die Bergungsarbeiten sollten am Sonntag fortgesetzt werden.

Zu möglichen Absturzursachen machte die Polizei keine Angaben. Zum Absturz wollen die Behörden am Sonntagnachmittag informieren.

Die Ju-Air hat ihren Flugbetrieb bis auf Weiteres eingestellt. Noch herrscht über das Schicksal der Passagiere und der Besatzung keine Klarheit. Auf ihrer Internetseite schrieb Ju-Air: "Das Team der Ju-Air ist tieftraurig und denkt an die Passagiere, die Crew und Familien und Freunde der Verunglückten." Die Kantonspolizei Graubünden habe für Angehörige eine Hotline unter der Nummer 081 256 56 56 eingerichtet.

Weniger Auftrieb

Dass genau an einem solchen Hitzetag wie am Samstag zwei Abstürze gemeldet werden – in Hergiswil kam eine Familie ums Leben –, ist kein Zufall: «Ich kenne den Flugweg und die genauen Umstände der beiden Abstürze nicht, aber bei diesen aussergewöhnlich hohen Temperaturen ist ein Zusammenhang nicht auszuschliessen. Die Flugzeuge haben bei solchen Bedingungen deutlich weniger Auftrieb, die Leistung der Motoren nimmt ab und auch der Pilot ist bei Hitze härteren Bedingungen ausgesetzt», sagt der Aviatikexperte und ehemalige Pilot Max Ungricht zu watson.

«Meine Erfahrung ist, dass in der Privatfliegerei die hohen Temperaturunterschiede eher unterschätzt und vernachlässigt werden», so Ungricht weiter. Tatsächlich scheinen sich die Flugzeugabstürze während dieser Hitzeperiode zu häufen: Bereits letzte Woche ist ein Kleinflugzeug über dem Mont-Durand-Gletscher im Wallis abgestürzt. Der Pilot und drei Passagiere kamen ums Leben.

Mit dem Modell oder gar dem Alter der «Tante Ju» hat der Absturz aber wohl nichts zu tun. «Das Flugzeug gilt als sicheres und zuverlässiges Modell», sagt Ungricht. (leo/whr/sda)

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