Schweiz

Talklegende Roger Schawinski fällt dem SRF-Sparhammer zum Opfer und wird abgesetzt

Der Talk «Schawinski» wird abgesetzt. Er fällt wie die Sendung «ECO Talk» den Sparmassnahmen von SRF zum Opfer. Dieses richtet sein Spätabend-Programm neu aus.

Das Schweizer Radio und Fernsehen wird gleich zu Beginn deutlich: «Die Geschäftsleitung von SRF hat aus Kostengründen beschlossen, das Spätprogramm von SRF 1 strategisch neu auszurichten.»

Die Folgen bekommt auch Roger Schawinski zu spüren: «Aufgrund dieser Entscheidung fallen am Montagabend die Talksendungen «Schawinski» und «ECO talk» aus dem Programm», heisst es in der Mitteilung vom Freitag.

Gastgeber Roger Schawinski feierte mit seiner beliebten Sendung am 22. August 2011 Premiere. Er hatte wöchentlich einen oder teilweise auch mehrere Gäste aus der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum engagierten, kontroversen Gespräch. 

Einen handfesten Skandal lieferte Schwinski mit seinem Gast und Kabarettist Andreas Thiel. Die Sendung lief völlig aus dem Ruder. Die beiden schenkten sich nichts: «Du Boulevardjournalist!» – «Du aufgeblasener Typ!»

Andreas Thiel bei Roger Schawinski

Andreas Thiel bei Roger Schawinski

Zuletzt gab der Talk mit der Edelprostituierten Salomé Balthus viel zu reden – und kosteten Schawinski beinahe den Kopf. Der Vorwurf: Frauenfeindlichkeit.

«Eco Talk» verschwindet ebenfalls aus dem Spätprogramm. Das Format wurde jährlich fünfmal ausgestrahlt. Im Wirtschaftsmagazin «Eco» werde Moderator Reto Lipp weiterhin wöchentlich Hintergründe zum Wirtschaftsgeschehen präsentieren können, hiess es in der Mitteilung.

Direktorin Wappler begründet Sparmassnahmen

Direktorin Nathalie Wappler: «Leider erreichen wir die notwendigen Sparziele nicht ohne Auswirkungen auf das Programm.»

Hintergrund der Massnahme: Bis 2020 muss SRF 16 Millionen Franken einsparen. Die Massnahmen treffen auch das Programm und führen zu einer strategischen Neuausrichtung des Spätprogramms von SRF1. 

Der Rückgang bei den Werbeeinnahmen verlaufe "schneller und dramatischer" als erwartet, hatte Fernsehdirektorin Nathalie Wappler bereits am Dienstag die Beschlüsse der SRF-Geschäftsleitung begründet. Das zweite Sparpaket im Umfang von 50 Millionen Franken für das Jahr 2020 war am Montag bekannt geworden. Daran muss SRF als grösste Unternehmenseinheit 16 Millionen Franken beisteuern.

Nebst der Verzichtsplanung im Programm hatte Wappler am Dienstag auch erste Massnahmen im Personalbereich kommuniziert. So werden Mitarbeiter, die pensioniert werden, nicht ersetzt. Neueinstellungen nach Kündigungen werden um drei Monate hinausgezögert. Zudem will SRF bei den Spesen der Mitarbeitenden sparen.

Eine neue Maxime lautet nun:

Wann Schawinski aus dem Programm gekippt wird, ist noch offen. Es würden derzeit noch Gespräche mit Roger Schawinski über den genauen Zeitpunkt des Programmwechsels laufen, heisst es bei SRF. Das Ende könnte Anfang 2020 oder dann im Frühling kommen. Das hänge auch von den künftigen Berufsplänen des Medienunternehmers ab. Ebenso ist offen, was auf dem Sendeplatz künftig zu sehen sein wird.

Roger Schawinski lässt sich in der Medienmitteilung von SRF folgendermassen zitieren: «Mit einer Talkshow nochmals auf die Bühne von SRF zurückzukehren, empfand ich damals sowohl überraschend als auch reizvoll. Jedes neue Management will oder muss Dinge verändern. Dafür habe ich Verständnis, vor allem, weil offenbar ein extrem grosser Spardruck besteht. Ich wünsche Nathalie Wappler bei ihren weiteren Plänen viel Erfolg.»

SRF-Direktorin Nathalie Wappler würdigt den Talker: «Roger Schawinski hat die Schweizer Medienlandschaft massgebend und nachhaltig geprägt. Ob als Mitbegründer des ‹Kassensturz›, als privater Medienunternehmer oder auch als Talker. Seine Verdienste für die Medienbranche kann man nicht genug hoch einschätzen. Ich möchte Roger Schawinski dafür danken, dass er in den letzten Jahren das SRF-Programm mit seiner Farbe nochmals so bereichert hat.»

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