Vermisstmeldungen
Täglich verschwinden in der Schweiz 13 Personen – öffentlich gefahndet wird aber nur selten

Rund 4700 Personen werden in der Schweiz jedes Jahr als vermisst gemeldet. Vergleichsweise klein fällt jedoch die Zahl der öffentlichen Fahndungen aus. Lediglich in 2,8 Prozent aller Fälle ersuchten die kantonalen Behörden die Bürger um Mithilfe.

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Lediglich in 2,8 Prozent aller Fälle von Vermisstmeldungen ersuchten die kantonalen Behörden die Bürger um Mithilfe. (Symbolbild)

Lediglich in 2,8 Prozent aller Fälle von Vermisstmeldungen ersuchten die kantonalen Behörden die Bürger um Mithilfe. (Symbolbild)

Keystone

Vor zehn Tagen fand ein Passant die Leiche von Samantha. Jetzt kritisiert ihre Familie, dass die Polizei keine Vermisstmeldung publizieren wollte, als die junge Genferin vor zwei Monaten verschwand.

Recherchen der SonntagsZeitung zeigen, dass dieses Vorgehen System hat. 13 Kantone gaben auf Anfrage aktuelle Daten an. Alleine dort wurden vergangenes Jahr 3354 Personen vermisst gemeldet. Die Hochrechnung für die gesamte Schweiz ergibt 4700 Vermisste in einem Jahr – das sind knapp 13 pro Tag.

Vergleichsweise klein fällt jedoch die Zahl der öffentlichen Fahndungen aus. Lediglich in 2,8 Prozent aller Fälle ersuchten die kantonalen Behörden die Bürger um Mithilfe. Besonders krass ist das Verhältnis in Genf, wo am meisten Menschen verschwinden. 1668 Vermisstmeldungen wurden 2017 eingereicht. Aber nur fünfmal machte die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung.

«Einerseits müssen wir vor einer Publikation immer genau abwägen, ob nicht der Persönlichkeitsschutz der Betroffenen höher zu gewichten ist», sagt Polizeisprecher Silvain Guillaume-Gentil. «Andererseits kann eine Öffentlichkeitsfahndung diese Person auch verängstigen, so dass sie sich noch weiter absetzt.» Schliesslich wolle man auch die Bevölkerung nicht überstrapazieren. «Wenn wir jeden Tag neue Meldungen publizieren, nimmt das irgendwann keiner mehr wahr.»

Wie die SonntagsZeitung weiter berichtet, sind enorm viele Vermisste noch keine 18 Jahre alt. In Basel-Stadt und Fribourg lag der Anteil der Kinder im letzten Jahr bei 44 Prozent, im Waadt und in Obwalden war mehr als die Hälfte aller Vermissten minderjährig.

Im Kanton Tessin war diese Quote mit 42 Prozent ebenfalls relativ hoch. Kein anderer Kanton setzte 2017 mehr öffentliche Aufrufe ab. Bei insgesamt 83 Fällen informierte man die Öffentlichkeit 33-mal. Und hatte Erfolg: Nur zwei Vermisste blieben im Tessin bis zum Jahresende unauffindbar.