Schule

Tagesstruktur kostet 45 Millionen

Umbauten: Das Dreirosenschulhaus gehört zu jenen Stätten, die für die Tagesstrukturen hergerichtet werden müssen. Juri Junkov

Dreirosenschulhaus

Umbauten: Das Dreirosenschulhaus gehört zu jenen Stätten, die für die Tagesstrukturen hergerichtet werden müssen. Juri Junkov

In zehn Jahren will das Basler Erziehungsdepartement die Tagesstruktur-Angebote mehr als verdoppeln und dafür rund 45 Millionen Franken ausgeben. Der SP geht das alles viel zu langsam.

Rolf Zenklusen

In Sachen Tagesstrukturen gehören die Schulen in Basel-Stadt schweizweit zu den Vorreitern. An 23 Mittagstischen, in zwölf Tagesschulen, in über 20 Tagesheimen und rund 70 Tagesfamilien stehen 2400 Betreuungsplätze für Kinder im Schulalter bereit. Damit ist der Bedarf aber noch nicht gedeckt: Eine Studie im Auftrag des Erziehungsdepartements Basel-Stadt (ED) hat ergeben, dass 76 Prozent der Eltern Interesse zeigen an einem familienergänzenden Betreuungsangebot für Kinder im Schulalter. Gewünscht werden die Tagesstrukturen an durchschnittlich 2,6 Tagen pro Woche.

«Wir rechnen damit, dass es total 5400 Plätze braucht», sagt Ueli Keller von der Abteilung Bildungskoordination im ED. «Wenn wir Vollgas geben, dauert die Realisierung zehn Jahre.» Die grössten Hürden würden die Räume und die Infrastruktur darstellen. Oft stecke der Teufel im Detail: In einem Schulhaus habe es beispielsweise vielleicht genug Platz, jedoch stimme die Raumaufteilung nicht.

Um die Tagesstrukturen einzurichten, seien in 90 Prozent der Schulhäuser bauliche Massnahmen notwendig, erklärte Kantonsbaumeister Fritz Schumacher kürzlich im «Basler Schulblatt» und gab unumwunden zu: «Wir sind dafür nicht super vorbereitet.» Die geschätzten Kosten für bauliche Massnahmen liegen laut Schumacher bei rund 45 Millionen Franken, Unterhaltskosten für die neuen Räume sind nicht eingerechnet.

In den Ausbau der Tagesstrukturen sind drei Departemente involviert: Dem ED fällt die Rolle zu, als Nutzer die Raumbedürfnisse zu ermitteln. Das Finanzdepartement, namentlich Immobilien Basel-Stadt, hat die Funktion des Besitzers und verwaltet die Schulhäuser. Und das Baudepartement steuert Kenntnisse als Baudienstleister bei und ist auch für den Unterhalt der Räume verantwortlich.

Mit der Stossrichtung des ED ist die SP Basel-Stadt zwar zufrieden, nicht aber mit dem vorgesehenen Tempo. «Fünf Jahre müssen genügen», sagt Hermann Amstad, früherer Grossrat und Mitglied des Initiativkomitees «Tagesschule für mehr Chancengleichheit». Amstad stellt fest, in Deutschland habe die rot-grüne Regierung sehr viele Tagesstruktur-Plätze innert fünf Jahren realisiert. «Wenn der Wille da ist, geht es.» Leider gehöre aber der Ausbau der Tagesstrukturen nicht zu den zentralen Anliegen des ED. Deshalb brauche es politischen Druck - mit der Initiative, welche die SP Ende Juni 2009 eingereicht hat.

«Den Ausbau in fünf Jahren zu realisieren, ist ein sehr hoch gestecktes Ziel, insbesondere dann, wenn auch die Qualität stimmen soll», meint hingegen Ueli Keller. Er erinnert an den Regierungsbeschluss vom 27. Mai 2009, wonach nächstes Jahr bereits 180 zusätzliche Plätze in Tagesschulen geschaffen werden. Auch für die folgenden Jahre sei ein Ausbau vorgesehen.

Dieser werde aber jährlich überprüft und den finanziellen Möglichkeiten angepasst. Keller: «Die Regierung verfolgt das Ziel, Schritt für Schritt vorzugehen.» Der Umbau der Schulhäuser soll dem Grossen Rat in mehreren Tranchen vorgelegt werden. Selbst wenn der Ausbau in zehn Jahren fertig sei, gehöre Basel-Stadt noch zu den Vorreitern.

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